Serie PRO CHAIR

Im Rahmen eines allgemeinen Versuchs, die öffentliche Gesundheit an Schulen zu verbessern, bekam das ergonomische Sitzen und Arbeiten viel Aufmerksamkeit. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat eine gründliche Studie mit dem Titel „Work Place School“ veröffentlicht. Die Studie ergab, dass dynamisches Sitzen die wichtigste Voraussetzung für das körperliche, geistige und emotionale Wohlbefinden ist. Dies wiederum ist die Voraussetzung für ein gesundes Lernen. Während traditionelle Möbel Kinder dazu ermutigen, gerade und ruhig zu sitzen, ermöglicht das dynamische Sitzen Kinder ihre Haltung häufig zu ändern.

PRO setzt diese Erkenntnisse durch drei Gestaltungselemente um. Der runde Sitz ähnelt dem eines Hockers, wodurch keine Sitzposition vorgeschrieben ist. Die schlanke Rückenlehne gibt dem Oberkörper Raum, sich seitwärts zu bewegen. Das letzte und entscheidende Gestaltungselement ist die markante S-Form der Rückenlehne. Die Kurve ermöglicht Bewegungsfreiheit und entlastet den unteren Rücken sowie das Becken. Die dreidimensionale Form sorgt für ausreichend Stabilität, so dass die Kunststoffschale ohne Glasfaserverstärkung hergestellt werden kann. Dies erhöht zusätzlich die Recyclingmöglichkeiten.1

Produziert werden die PRO Stühle seit 2012 von dem deutschen Möbelhersteller Flötotto mit Sitz im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh.

PRO Stühle sind in allen nur denkbaren Größen, Farben und Formen erhältlich: mit verschiedenen Sitzschalen, Gestellen und Polsterstoffen für eine maximale Gestaltungsvielfalt.2

Stuhl / Hocker MIURA

Die enorme öffentliche Aufmerksamkeit, die Konstantin Grcic für Chair_ONE bekam, führte unvermeidlich zu einer gewissen Kategorisierung seines Designs. Er wurde plötzlich mit dem eckigen / facettierten Stil dieses Stuhls identifiziert.

Obwohl ich die Stealth-Bomber Ästhetik liebe, hatte ich Angst, mich mit dieser erfolgreichen Formel zu wiederholen.

Konstantin Grcic1

Der Auftrag von Plank, einen Monoblock-Barhocker aus Kunststoff zu entwerfen, war für Grcic die Gelegenheit, sein Formenvokabular neu zu erfinden. Er wollte von der harten Kante zu einem weicheren Design übergehen. Der MIURA Hocker basiert auf Konstruktionsprinzipien. Seine Form allerdings wurde durch einen sehr skulpturalen Arbeitsprozess konzipiert. Die komplexen Freiformflächen wurden alle am Computer entworfen.

MIURA ist Teil der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York.

Stuhlserie Chair_ONE

Chair_ONE wurde von Konstantin Grcic in Anlehnung an einen Fußball konzipiert.
Eine Reihe von flachen Ebenen, die in Winkeln zueinander angeordnet sind und die dreidimensionale Form bilden.

Ich denke, mein Ansatz war eine Mischung aus Naivität und Stumpfheit.

Konstantin Grcic1

TOM & JERRY

TOM & JERRY ist das Redesign einer klassischen Möbeltypologie – des Werkstatthockers. Der dreibeinige Hocker wird in zwei verschiedenen Höhen produziert. Er besteht aus massivem Buchenholz mit mechanischen Teilen aus selbstschmierendem Kunststoff. Aufgrund seines leichtgängigen Mechanismus ist die Höhe des Hockers einfach zu verändern, um bequem darauf zu klettern. TOM & JERRY wurde von Konstantin Grcic für eine vielseitig einsetzbare Ergänzung für Arbeits-, Freizeit- und private Umgebungen entworfen.

Freischwinger S43

Mart Stam, 1899 in Purmerend in den Niederlanden geboren, war einer der bedeutendsten Architekten der Moderne und ein Pionier des modernen Möbeldesigns. 1927 leistete er einen aufsehenerregenden architektonischen Beitrag zur Weißenhof-Siedlung in Stuttgart – als Architekt und Gestalter, der mit Stahlrohr experimentierte. In den Jahren 1928 und 1929 war er als Architekt in Frankfurt am Main und als Gastdozent am Bauhaus in Dessau tätig und hielt dort Vorlesungen über elementare Baulehre und Städtebau. Von 1930 bis 1934 arbeitete Mart Stam in Russland und anderen Ländern; danach war er bis 1948 als Architekt in Amsterdam tätig. Im Jahre 1939 übernahm er die Leitung der Kunstgewerbeschule Amsterdam. 1950 wurde er Direktor der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. 1953 kehrte er nach Amsterdam zurück. 1977 siedelte er in die Schweiz über, wo er am 23. Februar 1986 in Goldach starb.1

THONET

Mit dem Wirken des Tischlermeisters Michael Thonet (1796 bis 1871) begann die einzigartige Erfolgsgeschichte des Unternehmens Thonet. In seinem Werk vollzog sich der Übergang von handwerklicher zu industrieller Möbelfertigung. Der Durchbruch zur industriellen Fertigung gelang Michael Thonet 1859 in Wien mit dem Stuhl Nr. 14, dem später so genannten „Wiener Caféhaus-Stuhl“, bei dem die neuartige Technologie des Biegens von massivem Buchenholz zum Einsatz kam. Die Arbeitsschritte waren industriell standardisiert, erstmals in der Möbelherstellung fand Arbeitsteilung statt. Überdies war der Stuhl einfach zu zerlegen und Platz sparend zu transportieren. Der Stuhl ebnete Thonet den Weg zum Weltunternehmen; zahlreiche erfolgreiche Bugholz-Möbel folgten. Den Höchststand erreichte die Thonet Produktion 1912: In diesem Jahr wurden zwei Millionen verschiedene Artikel hergestellt und weltweit verkauft. Die zweite Konstante im Thonet-Programm bilden Stahlrohrmöbel. In den 1930er Jahren war das Unternehmen der weltweit größte Produzent dieser neuartigen Möbel, die von berühmten Architekten wie Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer stammten. Heute gelten die frühen Stahlrohrmöbel als Meilensteine in der Designgeschichte. Ihre klare, offene und schlichte Form war Ausdruck einer neuen Haltung in Alltagskultur und Architektur, die unter dem Stichwort “Neue Sachlichkeit” bekannt wurde. Auch aktuell sind zahlreiche klassische Erfolgsmodelle im Programm, darunter der erste Freischwinger S 33, für dessen Form und Grundprinzip Mart Stam das künstlerische Urheberrecht zugesprochen bekam, sowie die Modelle S 32 und S 64 von Marcel Breuer. Sitz des heute von der 5. Familiengeneration geführten Unternehmens ist seit 1938 Frankenberg in Nordhessen. Dort werden heute alle Klassiker aus Bugholz und Stahlrohr sowie die aktuellen Kollektionen produziert. Im Werk verfügt man über modernste Produktionstechnologie und viel Erfahrung. Thonet entwickelt heute innovative Produkte, die stets auf Langlebigkeit bedacht sind. Sie sind durch Materialqualität und zeitlose Formensprache charakterisiert.2

LANGLEBIG

1933 wurde die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig mit dem Klassiker S 43 F ausgestattet. Durch den Zweiten Weltkrieg und die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik war es nicht möglich die dortige Bestuhlung zu ersetzen oder zu ergänzen. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze bekam Thonet dann den Auftrag einer weiteren Lieferung der Freischwinger S 43, um die seit 1933 bestehende Bestuhlung des Lesesaals zu ergänzen. Und dies nach mehr als 70 Jahren. Das ist der beste Beweis für die Qualität und Nachhaltigkeit dieses Stuhls.3

WERKBUNDAUSSTELLUNG DIE WOHNUNG

Mit seinem bahnbrechenden hinterbeinlosen Stuhl, der aus seinen 1926 durchgeführten Experimenten mit Gasleitungsrohren hervorgegangen war, und den er 1927 bei der Eröffnung der Weißenhof-Siedlung Stuttgart der Öffentlichkeit vorstellte, revolutionierte Mart Stam das moderne Möbeldesign. Ihm kam es zu dieser Zeit noch nicht auf den federnden Effekt kalt gebogenen Stahlrohrs an, sondern auf die schnörkellose, sachliche Form, die sich perfekt in die modernen Gebäude dieser Zeit integrieren ließ. Der S 43, eine Variante dieses Modells, wurde 1931 vorgestellt. Er verband Geradlinigkeit in der Form und ästhetische Sparsamkeit der Konstruktion mit dem Nutzen verbesserten Sitzkomforts: Der bequeme und sitzfreundliche Schwingeffekt, der ganz auf opulente Polsterung verzichten konnte, vermittelte das Gefühl, „wie auf Luft“ zu sitzen.

STUHL / FREISCHWINGER

Ein Freischwinger ist ein Stuhl ohne Hinterbeine, dessen Sitzfläche unter dem Gewicht einer Person federnd nachgibt („schwingt“) und leicht nach hinten absinkt. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, der wegen seiner starren Konstruktion diesen federnden Sitz nicht hat, wird nicht zu den eigentlichen Freischwingern gezählt. In diesem Fall spricht man allgemeiner von einem Kragstuhl (von kragen = überstehen; englische Bezeichnung: cantilever chair freitragender Stuhl). Der Freischwinger ist demnach eine Variante des Kragstuhls. Neben Stühlen gibt es auch Hocker, Sessel, Liegen und Sofas in der Form eines Freischwingers.

Urheberschaft

Nach 1929 wurden diverse Prozesse zur Frage der Urheberschaft am Freischwinger geführt, die Rechtsgeschichte geschrieben haben. Im ersten Prozess zwischen Anton Lorenz als Inhaber der Rechte von Mart Stam und der Firma Thonet, argumentierte Thonet, der Stuhl sei eine rein technische Erfindung und somit entfalle jedes Urheberrecht. Die Richter vom Deutschen Reichsgericht dagegen sahen in dem Stuhl von Mart Stam eine eigene Schöpfung und sprachen ihm 1932 die künstlerische Urheberschaft an dem kubischen Freischwinger zu. Mies van der Rohe hatte 1926 für seine Variante des Freischwingers, den MR 20, noch vor der öffentlichen Präsentation des Stam-Stuhles auf der Weißenhof- Ausstellung ein Patent angemeldet. Dieses verteidigte er erfolgreich in einem Prozess 1936. Darin versuchte die Firma Mauser das Patent Mies van der Rohes für nichtig erklären zu lassen, unter anderem, weil der ältere Stuhl Mart Stams ein Beispiel für eine Vorbenutzung sei. Dies wurde vom Gericht zurückgewiesen, wobei weder die ähnliche Form noch der Einfluss Mart Stams auf Mies van der Rohe eine Rolle spielten. Vielmehr führte Mies van der Rohe vor, dass die Federung ein wesentliches Merkmal seiner Erfindung war, die dem ersten Stam Stuhl fehlte. Somit hielt Mies van der Rohe die Rechte an vielen technischen Aspekten des Freischwingers.
Ein Anteil Marcel Breuers an der Urheberschaft des Freischwingers wurde von den Gerichten zwar abgewiesen, ist unter Kunsthistorikern jedoch immer noch umstritten.

Konstruktion

Der klassische Freischwinger besitzt einen tragenden Rahmen aus einem einzigen gebogenen Metallrohr in „Schlittenform“, die Vorderbeine knicken unten und oben nach hinten weg. Unten läuft der Rahmen auf dem Boden wie Kufen weiter bis zum hinteren Rand des Möbels, oben verläuft er parallel zu den Kufen und dient als Träger für die Sitzfläche. Gewöhnlich knickt der Rahmen am hinteren Teil der Sitzfläche noch einmal nach oben ab, um an ihm die Rückenlehne zu befestigen, oder die Rohre werden zu Armlehnen umgebogen. In diesen Rahmen sind Sitzflächen bzw. -polster und Rückenlehne eingehängt oder eingespannt. Dieses Konstruktionsprinzip wird auch bei Freischwingern aus Formschichtholz verwendet. Der finnische Architekt und Designer Alvar Aalto hat in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts einige erfolgreiche Modelle entworfen. Ohne Rahmen kommen gewöhnlich Freischwinger aus Kunststoff aus. Bei diesen sind Rückenlehne, Sitzfläche, „Beine“ (Verbindungsstück zwischen Sitzfläche und Fuß) und Fuß eine einzige, zusammenhängende Kunststofffläche.

Physik

Die Statik (Stabilität) ist trotz der fehlenden Hinterbeine dadurch gegeben, dass die entstehende Kraft über die Spannung in den Vorderbeinen auf die Bodenkufen oder die Füße umgeleitet wird. Die Kufen, die bis zum hinteren Ende des Stuhls laufen, bilden eine weite Bodenauflage und verhindern das Umkippen des Stuhls nach hinten. Setzt sich jemand in den Freischwinger, so geben die Vorderbeine durch ihre Elastizität nach, und die Sitzfläche senkt sich leicht nach unten und hinten. Dadurch entsteht beim Sitzen ein angenehmes Schaukeln, der Stuhl reagiert federnd auf Bewegungen der Person.4

Wassily Chair

Vielleicht die einflussreichste Innovation im Möbeldesign des 20. Jahrhunderts ist die Verwendung von Stahlrohr. 1925 begann Marcel Breuer mit diesem Material zu experimentieren und entwickelte seinen Sessel „Wassily“, der das Möbeldesign seiner Zeit revolutionierte. Der 1902 in Ungarn geborene Designer und Architekt studierte in den 20er Jahren am Bauhaus Dessau und wurde dort 1925 Leiter der Tischlerei. Berühmter Namensgeber für seinen Sessel ist kein geringerer als Wassily Kandinsky, sein Kollege am Bauhaus. Dieser zeigte sich dermaßen begeistert, dass Breuer noch vor Beginn der Serienfertigung seines Sessels ein Exemplar für die Privatwohnung des Malers herstellte. Seit den 50er Jahren serienmäßig produziert, kommt der Sessel heute aus dem Hause Knoll International und ist nicht nur ein Bestseller, sondern auch eines der meist kopierten Möbel überhaupt.

Es heißt, der leidenschaftliche Radfahrer Breuer wurde durch den Lenker seines „Adler“-Fahrrads inspiriert: Der Lenker war leicht und trotzdem extrem stabil. Und wenn Stahlrohr in Form eines Fahrradlenkers gebogen werden konnte, musste es doch auch möglich sein, es zu Möbelstücken zu formen. Den Beweis dafür erbrachte Breuer 1926 mit seinem Sessel selbst – ein Durchbruch, mit dem er den Weg für eine völlig neue Art des Möbeldesigns ebnete. Sie fand schon nach kurzer Zeit überall Nachahmer. Das überraschte den Designer, der für seinen Entwurf eigentlich Kritik erwartet hatte. Er selbst hielt den Sessel für seine extremste Arbeit, sowohl was die äußere Erscheinung als auch die Verwendung des Stahlrohrs betrifft. Heute sind Möbel ohne dieses Material längst nicht mehr vorstellbar.

Mit seinen Arbeiten war Breuer nicht nur einer der einflussreichsten Möbeldesigner des frühen 20. Jahrhunderts. Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten im Jahr 1937 widmete er sich vermehrt der Architektur, lehrte als Professor an der Harvard University und baute Privathäuser sowie öffentliche Gebäude. Das Bekannteste ist das Yförmige Unesco- Hauptquartier in Paris.

Sessel Schwan

Sie heißen Schwan, Ei, Ameise oder etwas kryptisch 3107. Und fast jeder hat schon mal darauf gesessen: Die Sitzmöbel von Arne Jacobsen besitzen längst Kultstatus und sind heute in öffentlichen Gebäuden und Privatwohnungen noch ebenso präsent wie in den 1950er Jahren, als Jacobsen sie entwarf.

Als Architekt und Produktdesigner schuf der 1902 geborene Däne Entwürfe, die nicht nur den Geschmack seiner Landsleute maßgeblich beeinflussten, sondern auch international stilprägend waren. Nach einer Maurer-Lehre und einem Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen hatte er in den 1920er Jahren zahlreiche Reisen durch Europa unternommen.

Die architektonischen Werke von Gropius und Mies van der Rohe in Berlin beeindruckten ihn tief und sollten zeitlebens seinen Stil beeinflussen. Den strengen Funktionalismus, den der junge Jacobsen in Berlin kennengelernt hatte, vereinte er in seinen eigenen Entwürfen mit organischen Formen.

Dem Dänen, der als Perfektionist und leidenschaftlicher Botaniker bekannt war, gelang so eine außergewöhnliche Synthese aus der Sachlichkeit der Moderne und an der Natur orientierten Formen. Sein Sessel „Schwan“ ist ein gutes Beispiel dafür: Das Sitzmöbel mit der mit Stoff oder Leder bezogenen Kunststoffschale auf einem drehbaren Sternfuß ist so bequem wie funktional. Die geschwungenen Linien erinnern, von der Seite betrachtet, an einen Schwanenhals. Gemeinsam mit dem ebenfalls nach seiner äußeren Erscheinung benannten Sessel „Ei“ hatte Jacobsen den „Schwan“ 1958 für die Lobby- und Loungebereiche des SAS Royal Hotels in Kopenhagen entworfen. Bei dieser Arbeit kam er auch seinem Ideal von der Architektur als Gesamtkunstwerk sehr nahe, denn er entwarf sowohl das Gebäude als auch die komplette Inneneinrichtung. Und nicht nur seine Möbel wurden weltberühmt: Der Regisseur Stanley Kubrick wählte die für das SAS Hotel Royal entworfene Essbesteckserie „AJ“ für seinen Film „2001: Odyssee im Weltraum“ aus.

Panton Chair

Ein britisches Topmodel, zwei möbelbegeisterte Schweizer, zwei deutsche Chemie-Giganten und ein hartnäckiger Däne – das waren die Zutaten für ein Möbelstück, das heute als Ikone der Pop-Art gilt. Der Däne hieß Verner Panton. Schon als Student der Kunstakademie in Kopenhagen zeichnete er seinen bekannten Stuhl: ein elegantes „S“, freistehend wie eine Skulptur und dennoch praktisch nutzbar. Einen interessierten Hersteller fand er jedoch lange Jahre nicht. Als Material wollte Panton gefärbtes Plastik einsetzen. Der Designer war fasziniert von den Möglichkeiten der neuartigen Kunststoffe, der völligen Freiheit bei Form und Farbe. Zwei Möbelfans aus der Schweiz, Willi und Rolf Fehlbaum, ließen sich schließlich von der Idee des „hinterbeinlosen“ Plastikstuhls anstecken.

Mit einem Kunststoff, den der Chemie-Riese Bayer Mitte der 1960er Jahre entwickelte, ging der Plastikstuhl so 1967 in Produktion. Ein zweiter neuer Kunststoff, diesmal von BASF, ermöglichte kurze Zeit später, dass Pantons Traumstuhl als erstes Sitzmöbel überhaupt durchgehend aus einem Material in einem Guss produziert werden konnte. Für Verner Panton brachte der bunte Kunststoffstuhl endgültig den Durchbruch. Er erhielt Aufträge als Inneneinrichter, unter anderem für die poppig-orange Kantine des Spiegel-Verlags in Hamburg, die heute unter Denkmalschutz steht.

Einer der ersten Panton Chairs ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. 1995 sorgte ein Cover der Vogue für Furore, auf dem sich Kate Moss freizügig auf dem Pop-Art-Stuhl räkelt. Auch heute hat der Stuhl nichts von seiner Faszination verloren. Die beiden Chemie-Riesen werben noch immer mit dem Panton Chair für ihre Kunststoffe. Die beiden möbelbegeisterten Schweizer bauten die Firma Vitra auf und haben mit dem Panton Chair einem Klassiker des modernen Möbeldesigns den Weg bereitet – es gibt ihn inzwischen sogar als Mini-Version für Kinder. Und Topmodel Kate Moss? Die hat ihn wahrscheinlich im Wohnzimmer.

Freischwinger MR 10

Als Vizepräsident des Deutschen Werkbundes (1926-1932) wurde Mies van der Rohe mit der Realisierung des Gesamtprojektes der ‘Weißenhof-Siedlung’ bei Stuttgart betraut, die 1927 als Ausstellung eröffnet wurde. Im Rahmen der Vorbereitungen traf er sich am 22. November 1926 mit Heinz Rasch, Mart Stam und anderen in Stuttgart. Während des Gesprächs erläuterte Mart Stam seinen Entwurf eines hinterbeinlosen Stuhls und skizzierte ihn. Da es Stam auf ein kubisches, geometrisch klares Erscheinungsbild ankam, wählte er Gasrohrabschnitte, die durch Winkel-Fittings mit kleinen Radien miteinander verschraubt wurden.

Mies kam im November 1926 aus Stuttgart zurück und erzählte von Mart Stam und seiner Stuhlidee. Wir hatten ein Zeichenbrett an der Wand, darauf zeichnete Mies den Stam-Stuhl, rechtwinkelig, von oben angefangen. Auch die Muffen fügte er hinzu und sagte: ‘Hässlich, so was Hässliches mit diesen Muffen. Wenn er wenigstens abgerundet hätte – so wäre es schöner’ und skizzierte einen Bogen. Nur ein Bogen aus seiner Hand an der Stam-Skizze machte den neuen Stuhl aus”.

Für das Interieur eines Stam-Hauses in der ‘Weißenhof-Siedlung’ wurden mehrere Stam-Stühle bei der Eisenmöbelfabrik Arnold in Schorndorf bei Stuttgart angefertigt, jedoch ohne Muffen aus heiß gebogenen Eisenrohren. Da diese zu weich waren, gab ein erster Prototyp, auf den sich Stam setzte, unter dem Körpergewicht nach. Verstärkungen aus Rundeiseneinlagen schufen eine ausreichend stabile, jedoch biegesteife Konstruktion. Währenddessen experimentierte Mies van der Rohe mit Mannesmann- Präzisionsstahlrohren, die er kalt formte, wodurch die elastische Eigenschaft des dünnwandigen Stahlrohres erhalten blieb. Die Halbkreis-Bögen der ‘Vorderbeine’ begünstigten diesen Effekt, da sie die Federwirkung des Rohrs optimal unterstützen. Kurze Zeit nach Mart Stam stellte auch Mies van der Rohe seine Stühle, die ersten Stahlrohr-Freischwinger in der ‘Weißenhof-Siedlung’ aus. Die Nachgiebigkeit der Konstruktion gewährleistete einen hohen Sitzkomfort, wie er sonst nur von gepolsterten Stühlen und Sesseln bekannt war, ohne ihre Behäbigkeit übernehmen zu müssen. Die filigrane Leichtigkeit der Stahlrohrmöbel prädestinierte sie für die Interieurs des ‘Neuen Bauens’.

Im Jahr der Erstpräsentation stellte Mies van der Rohe auch in Amerika einen Patentantrag für den Freischwinger. Die Patenterteilung wurde ihm mit dem Hinweis auf das amerikanische Patent Harry E. Nolans aus dem Jahre 1924 (1922 beantragt) zunächst verwehrt, da dieses bereits einen freischwingenden Gartensessel mit Spiralfederung vorsah. Erst nachdem Mies van der Rohe durch den Bau eines Prototypen des nie realisierten Modells nachweisen konnte, dass dieser aus massiven, stählernen Rundstäben gebildete Sessel nicht federn konnte, wurde ihm das Patent erteilt. Ausgelöst durch die ‘Werkbund’-Ausstellung in der ‘Weißenhof-Siedlung’ setzte eine Welle von Abwandlungen, Verbesserungen aber auch Kuriositäten in Stahlrohr ein. Heute wird Mies van der Rohe Freischwinger in jeweils unterschiedlichen Ausführungen von Tecta, Lauenförde, Thonet, Frankenberg und Knoll International angeboten.