Dieter Rams

Dieter Rams, geb. 1932. Produkt– und Möbeldesigner. Architekturstudium an der Werkkunstschule Wiesbaden. 1955 – 1997 bei Braun. 1961 – 1995 Leiter der Designabteilung; vertrat das “gute Design« gegenüber Vorstand, Technik und Marketing sowie in der Öffentlichkeit. 1981 Professur an der HfBK in Hamburg. 1988 -1998 Präsident vom Rat für Formgebung. Zahlreiche Entwürfe im Radio-Phonobereich, aber auch Feuerzeuge, Uhren und Haushaltsgeräte. Analytischer Ansatz mit Bezügen zur klassischen Moderne. Meilensteine: Kompaktanlage SK 4 mit Hans Gugelot, Phonokombi TP 1, Hifi-Anlage studio 2, Weltempfanger T 1000, Plattenspieler PS 1000, Tonbandgerät TG 60, Lautsprecher L 710, Kompaktanlage audio 308, Taschenlampe manulux NC mil Reinhold Weiss, Feuerzeuge T 2 und T 3, Radiowecker ABR 21 mit Dietrich Lubs und Heizlüfler H 1.

Hans Gugelot

Hans Gugelot, 1920 – 1965. Architekt, Ingenieur, Produkt- und Möbeldesigner. Der Holländer, der in der Schweiz aufwuchs, lehrte an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und war dort Ansprechpartner für Erwin Braun (der ihn den »eigentlichen Schöpfer des Braun-Designs unter Mitwirkung von Otl Aicher« nannte). Prägte mit Aicher und Herbert Lindinger das neue Erscheinungsbild der Firma. Systematischer Ansatz; Entwürfe für Phonogeräte, Rasierer und eine Taschenlampe. Meilensteine: SK 4 mit Dieter Rams und Rasierer sixtant mit Gerd Alfred Müller.

Konstantin Grcic

Konstantin Grcic (*1965) machte zunächst eine Lehre als Möbelschreiner am Parnham College (Dorset, England),
darauf folgte das Masterstudium im Bereich Design am Royal College of Art in London.
1991 gründete er in München sein eigenes Designstudio, mit dem er inzwischen nach Berlin umgezogen ist.
Konstantin Grcic arbeitet mit seinem Büro in verschiedenen Bereichen, von Projekten im Bereich Industrie- und Möbeldesign, über Ausstellungsdesign bis hin zu Kollaborationen in den Bereichen Architektur und Mode. Seine Arbeit zeichnet sich durch die sorgfältige Auseinandersetzung mit der Geschichte von Kunst, Design und Architektur und seine Leidenschaft für Technik und Materialien aus.

Wassily Chair

Vielleicht die einflussreichste Innovation im Möbeldesign des 20. Jahrhunderts ist die Verwendung von Stahlrohr. 1925 begann Marcel Breuer mit diesem Material zu experimentieren und entwickelte seinen Sessel „Wassily“, der das Möbeldesign seiner Zeit revolutionierte. Der 1902 in Ungarn geborene Designer und Architekt studierte in den 20er Jahren am Bauhaus Dessau und wurde dort 1925 Leiter der Tischlerei. Berühmter Namensgeber für seinen Sessel ist kein geringerer als Wassily Kandinsky, sein Kollege am Bauhaus. Dieser zeigte sich dermaßen begeistert, dass Breuer noch vor Beginn der Serienfertigung seines Sessels ein Exemplar für die Privatwohnung des Malers herstellte. Seit den 50er Jahren serienmäßig produziert, kommt der Sessel heute aus dem Hause Knoll International und ist nicht nur ein Bestseller, sondern auch eines der meist kopierten Möbel überhaupt.

Es heißt, der leidenschaftliche Radfahrer Breuer wurde durch den Lenker seines „Adler“-Fahrrads inspiriert: Der Lenker war leicht und trotzdem extrem stabil. Und wenn Stahlrohr in Form eines Fahrradlenkers gebogen werden konnte, musste es doch auch möglich sein, es zu Möbelstücken zu formen. Den Beweis dafür erbrachte Breuer 1926 mit seinem Sessel selbst – ein Durchbruch, mit dem er den Weg für eine völlig neue Art des Möbeldesigns ebnete. Sie fand schon nach kurzer Zeit überall Nachahmer. Das überraschte den Designer, der für seinen Entwurf eigentlich Kritik erwartet hatte. Er selbst hielt den Sessel für seine extremste Arbeit, sowohl was die äußere Erscheinung als auch die Verwendung des Stahlrohrs betrifft. Heute sind Möbel ohne dieses Material längst nicht mehr vorstellbar.

Mit seinen Arbeiten war Breuer nicht nur einer der einflussreichsten Möbeldesigner des frühen 20. Jahrhunderts. Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten im Jahr 1937 widmete er sich vermehrt der Architektur, lehrte als Professor an der Harvard University und baute Privathäuser sowie öffentliche Gebäude. Das Bekannteste ist das Yförmige Unesco- Hauptquartier in Paris.

Panton Chair

Ein britisches Topmodel, zwei möbelbegeisterte Schweizer, zwei deutsche Chemie-Giganten und ein hartnäckiger Däne – das waren die Zutaten für ein Möbelstück, das heute als Ikone der Pop-Art gilt. Der Däne hieß Verner Panton. Schon als Student der Kunstakademie in Kopenhagen zeichnete er seinen bekannten Stuhl: ein elegantes „S“, freistehend wie eine Skulptur und dennoch praktisch nutzbar. Einen interessierten Hersteller fand er jedoch lange Jahre nicht. Als Material wollte Panton gefärbtes Plastik einsetzen. Der Designer war fasziniert von den Möglichkeiten der neuartigen Kunststoffe, der völligen Freiheit bei Form und Farbe. Zwei Möbelfans aus der Schweiz, Willi und Rolf Fehlbaum, ließen sich schließlich von der Idee des „hinterbeinlosen“ Plastikstuhls anstecken.

Mit einem Kunststoff, den der Chemie-Riese Bayer Mitte der 1960er Jahre entwickelte, ging der Plastikstuhl so 1967 in Produktion. Ein zweiter neuer Kunststoff, diesmal von BASF, ermöglichte kurze Zeit später, dass Pantons Traumstuhl als erstes Sitzmöbel überhaupt durchgehend aus einem Material in einem Guss produziert werden konnte. Für Verner Panton brachte der bunte Kunststoffstuhl endgültig den Durchbruch. Er erhielt Aufträge als Inneneinrichter, unter anderem für die poppig-orange Kantine des Spiegel-Verlags in Hamburg, die heute unter Denkmalschutz steht.

Einer der ersten Panton Chairs ist im Museum of Modern Art in New York ausgestellt. 1995 sorgte ein Cover der Vogue für Furore, auf dem sich Kate Moss freizügig auf dem Pop-Art-Stuhl räkelt. Auch heute hat der Stuhl nichts von seiner Faszination verloren. Die beiden Chemie-Riesen werben noch immer mit dem Panton Chair für ihre Kunststoffe. Die beiden möbelbegeisterten Schweizer bauten die Firma Vitra auf und haben mit dem Panton Chair einem Klassiker des modernen Möbeldesigns den Weg bereitet – es gibt ihn inzwischen sogar als Mini-Version für Kinder. Und Topmodel Kate Moss? Die hat ihn wahrscheinlich im Wohnzimmer.

Freischwinger MYTO

Anlass für den Entwurf des Stuhles war der fließfähige Kunststoff Ultradur® High Speed von BASF. Der Stuhl wurde als Monoblock konzipiert, um im Spritzguss das Werkzeug zu füllen und durch das netzartige, filigrane Gewebe mit der tragenden Rahmenkonstruktion die netzartige Sitz- und Rückenfläche frei schwingend zu gestalten. Der äußere Rahmen ist stabil und lässt in fließenden Übergängen dem Netzgewebe genügend Spielraum. Das Material lässt auch einen Einsatz im Außenbereich zu, der Stuhl ist bis zu acht Stühlen stapelbar und wird in verschiedenen Farben angeboten: schwarz, weißgrau, verkehrsrot, reinorange, grau, gelbgrün, aubergine, hellblau. Schon nach kurzer Zeit fand MYTO Eingang in die Dauersammlung des MoMA, New York.1

Konstantin Grcic Industrial Design wurde 1991 gegründet. KGID ist in vielen Bereichen des Designs tätig, vom Möbeldesign bis hin zu Architekturprojekten. Konstantin Grcic entwirft industrielle Produkte, die oft als essentiell, schlicht, minimalistisch beschrieben werden. Er selbst bevorzugt den Begriff der Einfachheit. Die auf den Menschen zugeschnittene Definition von Funktion wird mit einer Mischung aus formaler Strenge, intellektuellem Scharfsinn und einer gewissen Ironie erreicht. Der Dialog mit der Industrie, die Auseinandersetzung mit der Herstellung und der Funktion von Objekten sind Quelle seiner Kreativität. Neue Technologien und ökologische Kompatibilität spielen bei seinen Entwürfen ebenso eine Rolle wie designhistorische Bezüge.2

BASF-WORKSHOP

Das Projekt MYTO geht auf den Spätsommer 2006 zurück, als die BASF vier namhafte Designer, darunter den inter­national renommierten Konstantin Grcic, zu einem gemeinsamen Workshop nach Ludwigshafen einlud, um ihnen das kreative Potenzial der „Ultras“, der technischen Kunststoffe der BASF, näherzubringen. Innerhalb der folgenden Mona­te entstand gemeinsam mit Konstantin Grcic (KGID) die Idee, die besonderen Eigenschaften des Kunststoffs Ultradur® High Speed in einem industriell gefertigten Design-Produkt zu verwirklichen. Eine Sitzgelegenheit, ein Freischwinger – darin war man sich schnell einig – ist die größte Herausforderung für ein Möbelstück aus Kunststoff, nicht nur in der Herstellung, sondern auch im Entwurf. Bereits sehr früh in der Entwicklung wurde der italienische Möbelhersteller PLANK in das Projekt eingebunden, der sowohl für die Fertigung des Serienteils als auch für den Vertrieb des Stuhles zuständig ist. Schnelligkeit, Teamgeist und die optimale Verbindung zwischen dem Kunststoff und der Idee des Freischwingers berei­teten dem ambitionierten Projekt den Weg. Das Vorhaben konnte durch den konstruktiven Dialog der Beteiligten in ei­ner Rekordentwicklungszeit von nur knapp mehr als einem Jahr abgeschlossen werden.

„Diese Effizienz ist ein Novum. Projekte innerhalb so kurzer Zeit im Spezialistenverbund umzusetzen, ist im Design zukunftsweisend“, meint Grcic. Die BASF als Initiator war mit ihrem Know-how über das neuartige Material während des gesamten Prozesses die treibende Kraft: So entstanden nach kurzer Zeit die ersten Stuhlentwürfe, bei denen sowohl die technischen als auch die ästheti­schen Eigenschaften des Werkstoffs optimal ausgenutzt wurden. Es folgten erste Drahtmodelle, dann Styropormodelle, die den Sitzkomfort demonstrieren, sowie mehrere CAD-Modelle und Entwicklungsschleifen zur Festigkeitsberechung und Formteilgestaltung. Im Mai 2007 entschieden sich die Partner für das endgültige Design und starteten den Werkzeugbau.3

MYTO in Full Swing

„[…] Wie kein anderer Stuhl hat der Freischwinger Design und Moderne geprägt. Trotzdem haben Gestalter dieser Produktgattung zuletzt kaum noch Beachtung geschenkt. Mit dem Freischwinger Myto kehrt nicht nur diese Typologie in unseren Alltag zurück, sondern auch ein sehr beschwingtes Sitzgefühl.

Konstantin Grcic verspürte „fast so etwas wie Leichtsinn“ nachdem er BASF im Rahmen eines Ideenaustauschs einen Freischwinger vorgeschlagen hatte. „Da war plötzlich dieser Freiraum.“ Klar, dass Grcic alles möglich erschien. Insbe­sondere an Kunststoff-Freischwingern, die als Monoblocks im Spritzguss gefertigt wurden, hatten sich in der Post- Panton-Ära niemand mehr gewagt. Die Materie galt als schwierig. Nicht nur, weil man sich mit einer Stilikone messen musste, auch die Haltbarkeit der Kunststoffe war lange Zeit ein Problem. Erst neue Werkstoffe wie Ultradur®, das PBT (Polybutylenterephtalat) der BASF verbanden große Festigkeit mit jener hohen Fließfähigkeit, die man benötigt, um fein modellierte Querschnitte zu realisieren. Grcics Stuhl läutet nun eine neue Ära ein, jenseits der ausgetretenen Pfade des Retro-Designs. Endlich geht es wieder um formale und technische Innovationen, um neue Materialien. Anstöße wie sie auch schon die „Bauhäusler“ in ihren Entwürfen verarbeiteten. Auch sie ließen sich durch damals neue Technologien inspirieren, die sie in Automobilen, Flugzeugen und Fahrrädern umgesetzt fanden. In dieser Tradition steht nun auch der von der Südtiroler Firma Plank ge­fertigte Stuhl Myto. Ein würdiger Vertreter seiner Gattung. Der Kunststoff-Stuhl legt seine konstruktiven Details offen, nutzt die Möglichkeiten des neuen Materials bis an die Grenzen aus und bietet mit seiner technisch-nüchternen For­mensprache auch formal jede Menge neuer Ansätze. Vielleicht wird er einen neuen Kunststoffboom auslösen. Wer weiß. Eines hat er aber schon geleistet: Er hat uns dieses beschwingte Wippen wieder beschert, das Sitzgefühl der Moderne.“ 4

PLANK

Plank ist ein traditionsreiches Unternehmen und hat seinen Ursprung im Jahre 1893. Technologie und Funktionalität vereint durch das Design war jeher das Ziel der Bestrebungen. Unter diesem Leitmotiv ist die Kollektion gewachsen und mit ihm wird heute der Name Plank unverkennbar in Verbindung gebracht. Die Kollektion unterscheidet sich in verschie­denste Produkt-Typologien: Stühle, Sessel, Lounge Sessel, Tischsysteme, Barhocker. Die Produkte von Plank wurden mehrfach ausgezeichnet und stehen in weltweit renommierten Museumskollektionen. Plank arbeitet mit namhaften Designern. Gemeinsam mit Konstantin Grcic brachte Plank den Barhocker Miura (2005) auf den Markt, der kürzlich in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen wurde.5

BASF

BASF ist das führende Chemie-Unternehmen der Welt: The Chemical Company. Als zuverlässiger Partner hilft die BASF ihren Kunden in nahezu allen Branchen, erfolgreicher zu sein. Mit hochwertigen Produkten und intelligenten Lösungen trägt die BASF dazu bei, Antworten auf globale Herausforderungen wie Klima­schutz, Energieeffizienz, Ernährung und Mobilität zu finden. 6

Barcelona Sessel

Es ist ein Stuhl für Könige: Der „Barcelona Sessel“ von Ludwig Mies van der Rohe war auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona als Thron für den spanischen König und die Königin vorgesehen, als diese den Pavillon besuchten. Von Barcelona hat dieser Sessel allerdings einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten.

Mies van der Rohe, 1886 in Aachen geboren, hatte sich in den 1920er Jahren bereits als führender Architekt und Wegbereiter der Moderne einen Namen gemacht. Die deutsche Regierung beauftragte ihn damit, den deutschen Pavillon für die Expo in Barcelona zu entwerfen. Sein Stil zeichnet sich durch Klarheit und Einfachheit aus. Er selbst bezeichnete seine Entwürfe als „Haut und Knochen“ Architektur – und beschrieb damit treffend die Konstruktionen aus Stahltragwerk und Glasfassaden.
So realisierte er auch den Pavillon in Barcelona, ein futuristisch anmutendes Gebäude, das heute zu den bedeutendsten Werken der modernen Architektur zählt. Insbesondere die Inneneinrichtung des Pavillons stellte den Architekten vor eine Herausforderung:

„Der Sessel ist ein schwieriges Objekt. Wer jemals versucht hat, einen Sessel zu entwerfen, weiß, wovon ich spreche. Es gibt endlose Möglichkeiten und viele Probleme. Es ist fast noch einfacher, einen Wolkenkratzer zu entwerfen als einen Sessel“

Ludwig Mies van der Rohe

… so der Architekt. Mies van der Rohe war zeitweise Direktor des Bauhauses Dessau und vertrat dessen Prinzip, für jedermann erschwingliche, funktionale Produkte zu schaffen.
Dennoch war der „Barcelona Sessel“ nie für die Serienproduktion gedacht. Der hochwertige Edelstahlrahmen ist aus einem Guss gefertigt. Die Lederpolster bestehen aus 40 einzelnen quadratischen Elementen, die in Handarbeit zusammengefügt werden. Trotz seines hohen Preises (ca. 5150 Euro) erfreut sich der Sessel einer treuen Liebhabergemeinde – seit 1953 fertigt die Firma Knoll International als einziger autorisierter Hersteller diesen Klassiker nach dem Originalentwurf des Architekten.

Marcel Breuer

Marcel Breuer, geboren 1902 im ungarischen Pécs. Nach einem abgebrochenen Kunststudium studierte er von 1920 bis 1924 am Staatlichen Bauhaus Weimar. Von 1925 bis 1928 übernahm er die Leitung der Tischlereiwerkstatt am Bauhaus, das inzwischen nach Dessau umgezogen war. In dieser Zeit war er stark vom Konstruktivismus und De Stijl geprägt und entwickelte einige wegweisende Möbelentwürfe aus Stahlrohr. 1928 ging Breuer nach Berlin, wo er vorwiegend im Bereich Innenarchitektur tätig war. Ab 1931 unternahm er eine Reihe von Reisen, bevor er ab 1932 in der Schweiz an mehreren Aluminiummöbelentwürfen arbeitete. 1935 zog Breuer nach London und war dort als Architekt tätig. 1937 erhielt er eine Professur für Architektur an der Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts/USA, und eröffnete dort später gemeinsam mit Walter Gropius ein Architekturbüro. 1946 gründete Marcel Breuer sein eigenes Studio in New York und realisierte zahlreiche Entwürfe in Europa und in den USA. Er gilt als einer der bedeutendsten Architekten und Gestalter der Moderne. Marcel Breuer starb am 1. Juli 1981 in New York.