Das Steuergerät TS 45 kann man als logische Weiterentwicklung des Schneewittchensargs SK 4 von 1956 sehen. Der Aufbau der L – förmigen Bedienknöpfe (hier allerdings gespiegelt) um eine sehr klar gehaltene Doppel-Skala verfügt zwar über weitaus mehr Funktionen, ist aber von vergleichbarer Strenge und Übersichtlichkeit. Auch das Element der gereihten Schlitze taucht nach wie vor auf. Jedoch handelt es sich nun nicht mehr um ein Röhren, sondern um ein modernes Transistorgerät, was eine sehr viel flachere Bauhöhe erlaubt. Ähnliche Funktionen wurden als gleichartige Elemente gestaltet. Die Druckschalter erhielten eine konkave Oberfläche, um bei einem relativ langen Hubweg, wie sie die damalige Schaltertechnik noch erforderte, ein Abgleiten des Fingers zu verhindern. Alle Pegelfunktionen wurden durch konische Drehknöpfe – große für die Wellenbereiche, kleine für Lautstärke, Klangfarbe und Balance – hergestellt. Ein zentraler Drehschalter in Form eines Knebels nahm mit seiner fast organischen Form eine Sonderstellung ein. Auch hier mag man ein kontrapunktisches Element zur Gesamtform sehen, das ähnlich wie der bei vielen Geräten verwendete rote, gelbe oder grüne Punkt des Leitschalters fungiert. Das Gesamtlayout der bewusst sichtbar angeschraubten, lackierten Geräteoberfläche aus Aluminium ist klar und übersichtlich und eher mit der Schweizer Typographie der Zeit als mit anderen deutschen Radiogeräten verwandt.
Braun Tonbandgerät TG 60
Zu Beginn der 60er Jahre wurden Tonbandgeräte populär, wobei für den Amateur nur recht einfache Gerätequalitäten zur Verfügung standen. Für die Firma Braun ergab sich so eine neue technische Herausforderung, wollte sie den wachsenden Markt mit einer semiprofessionellen Bandmaschine bedienen. Das Tonband TG 60 zeigt dabei die vielleicht am meisten technische Anmutung von allen Braun-Geräten dieser Zeit. Der offene Tonkopfbereich mit freiliegendem Andruckarm, die gleich dreifach vorhandenen Schaltknebel und das dominante Instrument zur Aussteuerung des Eingangssignals tragen zu diesem Techno-Design bei.
Braun Elektrostatlautsprecher LE 1
Ein dritter Lautsprecher war das Re-Design des vom englischen Hersteller QUAD in Lizenz von Braun übernommenen elektrostatischen Breitband-Lautsprechers LE 1, ebenfalls 1959. Hier wird der flache Quader auf staffeleiartige Stützen gestellt und schräg nach oben geneigt. Die große Frontfläche aus anthrazitfarbigem Lochblech ist schräg nach oben geneigt und in sich leicht gewölbt. Auch hier findet sich wieder das Spiel aus hell und dunkel, aus Last und filigraner Statik. Wie ein Bild auf der Staffelei neigt sich die Lautsprecherfläche dem Betrachter entgegen.
Braun Lautsprecher L 2
Der große Standlautsprecher L 2 von 1958, stellt den rechtwinkligen, eckigen Korpus auf eine Doppel-Kufe aus gebogenem Stahlrohr. Das Layout der Vorderseite ist die ins Bild gesetzte Funktion und gleichzeitig wird eine hellgraue Fläche mit einem schwarzen Balken und einem schwarzen Kreis kombiniert. Die hellgraue Fläche ist geschlossen, die schwarze besteht aus Lochblech mit den dahinter liegenden (schwarzen) Lautsprechern. Die Seitenflächen bestehen aus Wallnuss-Furnier. Eine überzeugende Komposition aus verschiedenen Materialien und Farben stellt sich dem Betrachter dar: grau und schwarz kontrastieren in ihren Hell-Dunkel-Werten und in ihrer komplementären Geometrie miteinander, ebenso wie die weiten Radien der Stahlrohrkufen mit dem 90 Grad Winkel des Gehäuses oder der glänzende kalte Chrom mit dem matt-warmen Holz.
Braun Kompaktgerät mit Plattenspieler audio 2
Mit diesem Steuergerät (Radioempfänger und Verstärker) plus Plattenspieler hat Dieter Rams High-Tech auch visuell erlebbar gemacht. Die von oben zu bedienenden Radio- und Phonogeräte hatten endgültig nichts mehr mit dem Dampfradio oder dem durchaus schon modernen Volksempfänger gemein, sondern erinnerten eher an das Tonstudio auf der anderen Seite des Mediums. Dennoch waren sie alles andere als nur technoid, sondern haben Radiosendungen und dem Hören von Musik ein gültiges Wohnzimmergesicht gegeben. Der Plattenteller wird den immer populäreren Langspielplatten gerecht und der Schaltknebel für die Funktionswahl sowie der grüne Druckknopf zum Einschalten sollten auch in der Folge und bei anderen Geräten zu festen Bestandteilen des Braun-Vokabulars werden. Aluminium, Kunststoffknöpfe und Acrylglas waren alles andere als edle Materialien und doch oder gerade deswegen gelang es Dieter Rams, daraus ein äußerst wertig erscheinendes und gleichzeitig zeitgenössisches Produkt zu gestalten. Es war kein futuristisches Raumschiff wie die Anlage ‘studio 1’ von Gugelot und Lindinger, sondern der Ausdruck einer neuen Zeit und der gelungene Versuch, Materialien optimal zu nutzen. Gegen den Ulmer Vorgänger wirkt hier alles leicht und hell. Die Aluminiumplatte wurde lackiert und damit seidenmatt, die Kunststoffteile waren präzise, dem Tonarm mit seinem runden Gegengewicht traute man Höchstleistungen zu und das spiegelnde Acrylglas sorgte für eine gewisse Festlichkeit.
Barcelona Sessel
Es ist ein Stuhl für Könige: Der „Barcelona Sessel“ von Ludwig Mies van der Rohe war auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona als Thron für den spanischen König und die Königin vorgesehen, als diese den Pavillon besuchten. Von Barcelona hat dieser Sessel allerdings einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten.
Mies van der Rohe, 1886 in Aachen geboren, hatte sich in den 1920er Jahren bereits als führender Architekt und Wegbereiter der Moderne einen Namen gemacht. Die deutsche Regierung beauftragte ihn damit, den deutschen Pavillon für die Expo in Barcelona zu entwerfen. Sein Stil zeichnet sich durch Klarheit und Einfachheit aus. Er selbst bezeichnete seine Entwürfe als „Haut und Knochen“ Architektur – und beschrieb damit treffend die Konstruktionen aus Stahltragwerk und Glasfassaden.
So realisierte er auch den Pavillon in Barcelona, ein futuristisch anmutendes Gebäude, das heute zu den bedeutendsten Werken der modernen Architektur zählt. Insbesondere die Inneneinrichtung des Pavillons stellte den Architekten vor eine Herausforderung:
„Der Sessel ist ein schwieriges Objekt. Wer jemals versucht hat, einen Sessel zu entwerfen, weiß, wovon ich spreche. Es gibt endlose Möglichkeiten und viele Probleme. Es ist fast noch einfacher, einen Wolkenkratzer zu entwerfen als einen Sessel“
Ludwig Mies van der Rohe
… so der Architekt. Mies van der Rohe war zeitweise Direktor des Bauhauses Dessau und vertrat dessen Prinzip, für jedermann erschwingliche, funktionale Produkte zu schaffen.
Dennoch war der „Barcelona Sessel“ nie für die Serienproduktion gedacht. Der hochwertige Edelstahlrahmen ist aus einem Guss gefertigt. Die Lederpolster bestehen aus 40 einzelnen quadratischen Elementen, die in Handarbeit zusammengefügt werden. Trotz seines hohen Preises (ca. 5150 Euro) erfreut sich der Sessel einer treuen Liebhabergemeinde – seit 1953 fertigt die Firma Knoll International als einziger autorisierter Hersteller diesen Klassiker nach dem Originalentwurf des Architekten.
Bogenleuchte Arco
Wie sieht eine Lampe aus, die das direkte Licht einer Deckenleuchte gibt, ohne dass dafür ein Loch in die Decke gebohrt werden muss? Die Brüder Castiglioni fanden eine ebenso einfache wie geniale Lösung für dieses Problem: Für ihre Leuchte „Arco“ ließen sie sich von einer Straßenlaterne inspirieren. Ein 65 Kilo schwerer Fuß aus Carrara-Marmor fixiert die Leuchte am Boden. Der bogenförmige Arm gibt der Leuchte ihren Namen: Das italienische „Arco“ bedeutet Bogen. „Arco“ ist Decken- und Stehleuchte in einem, gibt optimales Licht über dem Esstisch oder der Sofaecke. 1962 entworfen, avancierte sie in den 70er Jahren weltweit zum Kultobjekt. Seit nunmehr fast 50 Jahren produziert die italienische Firma FLOS die zeitlose Leuchte, die längst zu den Klassikern des italienischen Designs gehört.
Inspiration in den Objekten des Alltags zu suchen, war typisch für die Brüder Castiglioni: Sie wurden dafür bekannt, dass sie Gegenstände des täglichen Gebrauchs zweckentfremdeten und in humorvoller Weise für ihre Arbeiten funktionalisierten. So benutzten sie für ihren Hocker „Mezzadro“ (1957) einen Traktorsitz. Und wer auf der Stehhilfe „Sella“ (1957) Platz nimmt, findet sich auf einem Fahrradsattel wieder. Beide Entwürfe gehören – wie auch „Arco“ – zu einer Gruppe von Arbeiten, die von Marcel Duchamps Readymades inspiriert ist.
Am besten hat Achille Castiglioni selbst die Philosophie der Brüder auf den Punkt gebracht – und damit auch treffend ihre wohl berühmteste Leuchte „Arco“ beschrieben: „So einfach und raffiniert – das gefällt mir!“






