Braun Elektrostatlautsprecher LE 1

Ein dritter Lautsprecher war das Re-Design des vom englischen Hersteller QUAD in Lizenz von Braun übernommenen elektrostatischen Breitband-Lautsprechers LE 1, ebenfalls 1959. Hier wird der flache Quader auf staffeleiartige Stützen gestellt und schräg nach oben geneigt. Die große Frontfläche aus anthrazitfarbigem Lochblech ist schräg nach oben geneigt und in sich leicht gewölbt. Auch hier findet sich wieder das Spiel aus hell und dunkel, aus Last und filigraner Statik. Wie ein Bild auf der Staffelei neigt sich die Lautsprecherfläche dem Betrachter entgegen.

Braun Lautsprecher L 40

Mit dem Modell L 40 von 1961 war dieser Typus definiert. Ein länglicher Quader in Weiß, Graphit oder Nussbaum wurde auf der Vorderseite bündig mit einem leicht angewalzten Aluminiumgeflecht versehen. Dieser wahlweise turmförmig oder liegend zu positionierende Lautsprecher ist in seiner Konsequenz und Minimalität nicht mehr zu verbessern. Fast alle späteren Lautsprecher lassen sich auf diese Grundform zurückführen. In den großen HiFi Lautsprechern seit dem Modell L 710 von 1969 wurden lediglich die Seitenkanten mit einem engen Radius versehen oder schließlich bei den Atelier-Lautsprechern von Dieter Rams und Peter Hartwein an die 45 Grad Winkel der Anlage angepasst. Nach der Acrylglasabdeckung für die SK 4 gelang es dem Gestalter hier zum zweiten Mal einen allgemeingültigen Typus zu definieren.

Braun Lautsprecher L 2

Der große Standlautsprecher L 2 von 1958, stellt den rechtwinkligen, eckigen Korpus auf eine Doppel-Kufe aus gebogenem Stahlrohr. Das Layout der Vorderseite ist die ins Bild gesetzte Funktion und gleichzeitig wird eine hellgraue Fläche mit einem schwarzen Balken und einem schwarzen Kreis kombiniert. Die hellgraue Fläche ist geschlossen, die schwarze besteht aus Lochblech mit den dahinter liegenden (schwarzen) Lautsprechern. Die Seitenflächen bestehen aus Wallnuss-Furnier. Eine überzeugende Komposition aus verschiedenen Materialien und Farben stellt sich dem Betrachter dar: grau und schwarz kontrastieren in ihren Hell-Dunkel-Werten und in ihrer komplementären Geometrie miteinander, ebenso wie die weiten Radien der Stahlrohrkufen mit dem 90 Grad Winkel des Gehäuses oder der glänzende kalte Chrom mit dem matt-warmen Holz.

Braun Zusatzlautsprecher L 01

Einen ganz anderen Ansatz zeigt der Lautsprecher L 01 von 1959, der auch als Hochtöner mit dem L 2 kombiniert wurde. Ein rechteckiger, hellgrauer Quader mit schwarzer Lochblechblende an der Frontseite ist linienparallel oben an einem senkrechten Rohr aufgehängt. Hier entsteht eine ganz andere Figur mit einer visuell labilen Charakteristik aber elementaren, asymmetrischen Geometrien aus Rechteck und Linie. Es erinnert an die Fragilität der Mobiles von Alexander Calder und korrespondiert mit der Röhren – Stehlampe von Eileen Gray von 1927. Bei alledem ist es ein völlig eigenständiger Entwurf und eine originäre Lösung. Der Lautsprecherkörper sollte zum Paradigma für die seit 1961 entstehenden Lautsprecherboxen von Dieter Rams werden, dann für die gesamte Braunproduktion und schließlich auch für alle Fremdhersteller.