Braun Weltempfänger T 1000

Zu Beginn der 60er Jahre löste sich die Bundesrepublik Deutschland langsam aus der Isolation, in die sie durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg geraten war. Amerika war jetzt nicht mehr nur noch Vorbild, sondern auch Exportland, vornehmlich natürlich für deutsche Autos der Marken Mercedes, Volkswagen oder Porsche. Zwei Jahrzehnte nach dem Kriegsende arbeiteten aber auch wieder internationale Fotografen für ein deutsches Magazin (die Zeitschriften), Deutschland und Frankreich unterzeichneten 1963 einen Freundschaftsvertrag, die Kunstausstellung ‚documenta’ in Kassel wurde zu einem weltweit beachteten Ereignis und 1958 wurden große Teile des Braun-Produktprogramms in die Design Collection des Museum of Modern Art in New York aufgenommen. Deutschland wurde wieder internationaler.

In diese Zeit passte ein neuartiges Radio, das gleichzeitig zu einer paradigmatischen Arbeit des Designers Dieter Rams wurde. Es spiegelt gleichsam Weltoffenheit und Mobilität, zwei Eigenschaften, die heute von noch weitaus größerer Bedeutung sind. Aus einem rein quaderförmigen, allseits geschlossenen Gehäusekorpus eröffnet sich durch Aufklappung ein durch seine Vielfalt mit dem Äußeren kontrastierendes, komplexes Bedienfeld aus Sendeskala, Einstellknöpfen und Anschlussbuchsen. Man erahnt quasi schon die große weite Welt der UKW-, Langwellen-, Mittelwellen- und der acht Kurzwellenempfangsbereiche, die sich hier eröffnet. Mit größtem technischem Entwicklungsaufwand betrieben, stellte das Gerät einen Höhepunkt deutscher Ingenieurleistung mit einer optimalen Empfangsqualität auch noch der entferntesten Sender dar. Das Design von Dieter Rams ist auch hier zunächst wieder in jeder Hinsicht funktions- bezogen angelegt: der UKW-Bereich wird in der Drucktaste, im Drehknopf und in der Skalenbeschriftung einheitlich rot dargestellt, alle Bedienknöpfe sind logisch und übersichtlich geordnet und haben ein auf die menschliche Hand bezogenes Maß. Der seitliche Bandbreitenumschalter hat eine voluminöse Haptik, die umfangreiche Bedienungsanleitung hat ein eigenes Fach in der Gehäuseklappe und ist so stets präsent und die große, detaillierte Skala signalisiert nicht nur Präzision, sondern sie ist mit ihrer hauchfeinen Typographie und ihrer übersichtlichen Bezifferung ein Musterbeispiel exakter Gestaltung.

Bei aller technischen Funktionalität gelingt Dieter Rams aber auch wieder ein Höchstmaß an Eleganz und Bildlichkeit. In geschlossenem Zustand nimmt dieser Weltempfänger die zeitgenössische Ästhetik von Produkten etwa der Firma Apple um 40 Jahre voraus. In einem heutigen Showroom von Gravis würde das Gerät wohl nur durch das abweichende Firmenlogo auffallen, was natürlich nichts anderes heißt, als dass die Apple-Designer um Jonathan Ive, die Ästhetik des T 1000 als die ihrige empfinden und in ihren eigenen Arbeiten rezipieren.

Braun Lautsprecher L 40

Mit dem Modell L 40 von 1961 war dieser Typus definiert. Ein länglicher Quader in Weiß, Graphit oder Nussbaum wurde auf der Vorderseite bündig mit einem leicht angewalzten Aluminiumgeflecht versehen. Dieser wahlweise turmförmig oder liegend zu positionierende Lautsprecher ist in seiner Konsequenz und Minimalität nicht mehr zu verbessern. Fast alle späteren Lautsprecher lassen sich auf diese Grundform zurückführen. In den großen HiFi Lautsprechern seit dem Modell L 710 von 1969 wurden lediglich die Seitenkanten mit einem engen Radius versehen oder schließlich bei den Atelier-Lautsprechern von Dieter Rams und Peter Hartwein an die 45 Grad Winkel der Anlage angepasst. Nach der Acrylglasabdeckung für die SK 4 gelang es dem Gestalter hier zum zweiten Mal einen allgemeingültigen Typus zu definieren.

Braun Lautsprecher L 2

Der große Standlautsprecher L 2 von 1958, stellt den rechtwinkligen, eckigen Korpus auf eine Doppel-Kufe aus gebogenem Stahlrohr. Das Layout der Vorderseite ist die ins Bild gesetzte Funktion und gleichzeitig wird eine hellgraue Fläche mit einem schwarzen Balken und einem schwarzen Kreis kombiniert. Die hellgraue Fläche ist geschlossen, die schwarze besteht aus Lochblech mit den dahinter liegenden (schwarzen) Lautsprechern. Die Seitenflächen bestehen aus Wallnuss-Furnier. Eine überzeugende Komposition aus verschiedenen Materialien und Farben stellt sich dem Betrachter dar: grau und schwarz kontrastieren in ihren Hell-Dunkel-Werten und in ihrer komplementären Geometrie miteinander, ebenso wie die weiten Radien der Stahlrohrkufen mit dem 90 Grad Winkel des Gehäuses oder der glänzende kalte Chrom mit dem matt-warmen Holz.

TOM & JERRY

TOM & JERRY ist das Redesign einer klassischen Möbeltypologie – des Werkstatthockers. Der dreibeinige Hocker wird in zwei verschiedenen Höhen produziert. Er besteht aus massivem Buchenholz mit mechanischen Teilen aus selbstschmierendem Kunststoff. Aufgrund seines leichtgängigen Mechanismus ist die Höhe des Hockers einfach zu verändern, um bequem darauf zu klettern. TOM & JERRY wurde von Konstantin Grcic für eine vielseitig einsetzbare Ergänzung für Arbeits-, Freizeit- und private Umgebungen entworfen.

Braun Radio-Phono-Kombination SK 4

Das deutsche Märchen vom Schneewittchen und den sieben Zwergen war durchaus nicht der Anlass für diese Radio-Phono-Kombination, wohl aber der versuchte Spott der Konkurrenzfirmen über ein völlig neuartiges Gerät. Genutzt hat es ihnen allerdings nichts. Was andere vor 50 Jahren lächerlich machen wollten, fand beim Publikum großen Anklang und wurde zum weltweiten Vorbild aller modernen Radio- und Phonogeräte. Es begründete den Ruf der Firma Braun als Pionier eines zeitgenössischen Design, obwohl hier noch lange kein HiFi Standard erreicht war.

Dieter Rams entwarf diesen Schneewittchensarg zusammen mit Hans Gugelot, Professor an der HfG Ulm. Während der Plattenspieler auf einem Entwurf von Wilhelm Wagenfeld beruht und schon in einem anderen Braun-Gerät Verwendung fand, ist das Chassis und das Layout zu diesem Gerät völlig neuartig: ein U-förmig gebogenes Metallblech, hölzerne, rechteckige Holzwangen, übereinander gereihte Schlitze für den Lautsprecher und die Lüftung sowie eine geometrische Gestaltung der Bedienelemente. Das besondere Merkmal aber wurde eine Abdeckhaube aus durchsichtigem Plexiglas, welche die technischen Elemente Plattenspieler und Bedienelemente jederzeit sichtbar macht. Damit verlässt dieses Phonomöbel das Vorbild einer Truhe oder eines Schranks, in dem eine Radiooberfläche versteckt wird. Tonarm, Lautsprecherregler oder die Sendeskala werden vielmehr zur visuellen Hauptsache.