Stuhl / Hocker MIURA

Die enorme öffentliche Aufmerksamkeit, die Konstantin Grcic für Chair_ONE bekam, führte unvermeidlich zu einer gewissen Kategorisierung seines Designs. Er wurde plötzlich mit dem eckigen / facettierten Stil dieses Stuhls identifiziert.

Obwohl ich die Stealth-Bomber Ästhetik liebe, hatte ich Angst, mich mit dieser erfolgreichen Formel zu wiederholen.

Konstantin Grcic1

Der Auftrag von Plank, einen Monoblock-Barhocker aus Kunststoff zu entwerfen, war für Grcic die Gelegenheit, sein Formenvokabular neu zu erfinden. Er wollte von der harten Kante zu einem weicheren Design übergehen. Der MIURA Hocker basiert auf Konstruktionsprinzipien. Seine Form allerdings wurde durch einen sehr skulpturalen Arbeitsprozess konzipiert. Die komplexen Freiformflächen wurden alle am Computer entworfen.

MIURA ist Teil der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York.

Stuhlserie Chair_ONE

Chair_ONE wurde von Konstantin Grcic in Anlehnung an einen Fußball konzipiert.
Eine Reihe von flachen Ebenen, die in Winkeln zueinander angeordnet sind und die dreidimensionale Form bilden.

Ich denke, mein Ansatz war eine Mischung aus Naivität und Stumpfheit.

Konstantin Grcic1

TOM & JERRY

TOM & JERRY ist das Redesign einer klassischen Möbeltypologie – des Werkstatthockers. Der dreibeinige Hocker wird in zwei verschiedenen Höhen produziert. Er besteht aus massivem Buchenholz mit mechanischen Teilen aus selbstschmierendem Kunststoff. Aufgrund seines leichtgängigen Mechanismus ist die Höhe des Hockers einfach zu verändern, um bequem darauf zu klettern. TOM & JERRY wurde von Konstantin Grcic für eine vielseitig einsetzbare Ergänzung für Arbeits-, Freizeit- und private Umgebungen entworfen.

Lampe MAYDAY

Konstantin Grcic benannte diese Lampe nach den berühmten letzten Worte, bevor die Titanic sank: Mayday … Mayday …

Dieser S.O.S. Ruf kommt ursprünglich vom französischen ‘m’aider’ (Englisch ‘help me’).

Grcic entwarf die MAYDAY-Lampe als Werkzeug. Dieses hat einen praktischen Griff mit integriertem Ein- und Ausschalter sowie zwei Halterungen zum Aufwickeln des 5 Meter langen Kabels. Ein großer Haken am Ende des Griffs ist hilfreich, um die Lampe überall dort zu installieren, wo sie benötigt wird. Der große weiße Trichter ist gleichzeitig Reflektor und Protektor. Sein glatter PolypropylenKunststoff ist stark genug um Schläge zu absorbieren und gibt ein warm gestreutes Licht ab. MAYDAY ist nicht für bestimmte Zwecke konzipiert, sondern ist praktisch in allen Situationen und Lebenslagen.

Freischwinger S43

Mart Stam, 1899 in Purmerend in den Niederlanden geboren, war einer der bedeutendsten Architekten der Moderne und ein Pionier des modernen Möbeldesigns. 1927 leistete er einen aufsehenerregenden architektonischen Beitrag zur Weißenhof-Siedlung in Stuttgart – als Architekt und Gestalter, der mit Stahlrohr experimentierte. In den Jahren 1928 und 1929 war er als Architekt in Frankfurt am Main und als Gastdozent am Bauhaus in Dessau tätig und hielt dort Vorlesungen über elementare Baulehre und Städtebau. Von 1930 bis 1934 arbeitete Mart Stam in Russland und anderen Ländern; danach war er bis 1948 als Architekt in Amsterdam tätig. Im Jahre 1939 übernahm er die Leitung der Kunstgewerbeschule Amsterdam. 1950 wurde er Direktor der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. 1953 kehrte er nach Amsterdam zurück. 1977 siedelte er in die Schweiz über, wo er am 23. Februar 1986 in Goldach starb.1

THONET

Mit dem Wirken des Tischlermeisters Michael Thonet (1796 bis 1871) begann die einzigartige Erfolgsgeschichte des Unternehmens Thonet. In seinem Werk vollzog sich der Übergang von handwerklicher zu industrieller Möbelfertigung. Der Durchbruch zur industriellen Fertigung gelang Michael Thonet 1859 in Wien mit dem Stuhl Nr. 14, dem später so genannten „Wiener Caféhaus-Stuhl“, bei dem die neuartige Technologie des Biegens von massivem Buchenholz zum Einsatz kam. Die Arbeitsschritte waren industriell standardisiert, erstmals in der Möbelherstellung fand Arbeitsteilung statt. Überdies war der Stuhl einfach zu zerlegen und Platz sparend zu transportieren. Der Stuhl ebnete Thonet den Weg zum Weltunternehmen; zahlreiche erfolgreiche Bugholz-Möbel folgten. Den Höchststand erreichte die Thonet Produktion 1912: In diesem Jahr wurden zwei Millionen verschiedene Artikel hergestellt und weltweit verkauft. Die zweite Konstante im Thonet-Programm bilden Stahlrohrmöbel. In den 1930er Jahren war das Unternehmen der weltweit größte Produzent dieser neuartigen Möbel, die von berühmten Architekten wie Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe oder Marcel Breuer stammten. Heute gelten die frühen Stahlrohrmöbel als Meilensteine in der Designgeschichte. Ihre klare, offene und schlichte Form war Ausdruck einer neuen Haltung in Alltagskultur und Architektur, die unter dem Stichwort “Neue Sachlichkeit” bekannt wurde. Auch aktuell sind zahlreiche klassische Erfolgsmodelle im Programm, darunter der erste Freischwinger S 33, für dessen Form und Grundprinzip Mart Stam das künstlerische Urheberrecht zugesprochen bekam, sowie die Modelle S 32 und S 64 von Marcel Breuer. Sitz des heute von der 5. Familiengeneration geführten Unternehmens ist seit 1938 Frankenberg in Nordhessen. Dort werden heute alle Klassiker aus Bugholz und Stahlrohr sowie die aktuellen Kollektionen produziert. Im Werk verfügt man über modernste Produktionstechnologie und viel Erfahrung. Thonet entwickelt heute innovative Produkte, die stets auf Langlebigkeit bedacht sind. Sie sind durch Materialqualität und zeitlose Formensprache charakterisiert.2

LANGLEBIG

1933 wurde die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig mit dem Klassiker S 43 F ausgestattet. Durch den Zweiten Weltkrieg und die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik war es nicht möglich die dortige Bestuhlung zu ersetzen oder zu ergänzen. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze bekam Thonet dann den Auftrag einer weiteren Lieferung der Freischwinger S 43, um die seit 1933 bestehende Bestuhlung des Lesesaals zu ergänzen. Und dies nach mehr als 70 Jahren. Das ist der beste Beweis für die Qualität und Nachhaltigkeit dieses Stuhls.3

WERKBUNDAUSSTELLUNG DIE WOHNUNG

Mit seinem bahnbrechenden hinterbeinlosen Stuhl, der aus seinen 1926 durchgeführten Experimenten mit Gasleitungsrohren hervorgegangen war, und den er 1927 bei der Eröffnung der Weißenhof-Siedlung Stuttgart der Öffentlichkeit vorstellte, revolutionierte Mart Stam das moderne Möbeldesign. Ihm kam es zu dieser Zeit noch nicht auf den federnden Effekt kalt gebogenen Stahlrohrs an, sondern auf die schnörkellose, sachliche Form, die sich perfekt in die modernen Gebäude dieser Zeit integrieren ließ. Der S 43, eine Variante dieses Modells, wurde 1931 vorgestellt. Er verband Geradlinigkeit in der Form und ästhetische Sparsamkeit der Konstruktion mit dem Nutzen verbesserten Sitzkomforts: Der bequeme und sitzfreundliche Schwingeffekt, der ganz auf opulente Polsterung verzichten konnte, vermittelte das Gefühl, „wie auf Luft“ zu sitzen.

STUHL / FREISCHWINGER

Ein Freischwinger ist ein Stuhl ohne Hinterbeine, dessen Sitzfläche unter dem Gewicht einer Person federnd nachgibt („schwingt“) und leicht nach hinten absinkt. Ein Stuhl ohne Hinterbeine, der wegen seiner starren Konstruktion diesen federnden Sitz nicht hat, wird nicht zu den eigentlichen Freischwingern gezählt. In diesem Fall spricht man allgemeiner von einem Kragstuhl (von kragen = überstehen; englische Bezeichnung: cantilever chair freitragender Stuhl). Der Freischwinger ist demnach eine Variante des Kragstuhls. Neben Stühlen gibt es auch Hocker, Sessel, Liegen und Sofas in der Form eines Freischwingers.

Urheberschaft

Nach 1929 wurden diverse Prozesse zur Frage der Urheberschaft am Freischwinger geführt, die Rechtsgeschichte geschrieben haben. Im ersten Prozess zwischen Anton Lorenz als Inhaber der Rechte von Mart Stam und der Firma Thonet, argumentierte Thonet, der Stuhl sei eine rein technische Erfindung und somit entfalle jedes Urheberrecht. Die Richter vom Deutschen Reichsgericht dagegen sahen in dem Stuhl von Mart Stam eine eigene Schöpfung und sprachen ihm 1932 die künstlerische Urheberschaft an dem kubischen Freischwinger zu. Mies van der Rohe hatte 1926 für seine Variante des Freischwingers, den MR 20, noch vor der öffentlichen Präsentation des Stam-Stuhles auf der Weißenhof- Ausstellung ein Patent angemeldet. Dieses verteidigte er erfolgreich in einem Prozess 1936. Darin versuchte die Firma Mauser das Patent Mies van der Rohes für nichtig erklären zu lassen, unter anderem, weil der ältere Stuhl Mart Stams ein Beispiel für eine Vorbenutzung sei. Dies wurde vom Gericht zurückgewiesen, wobei weder die ähnliche Form noch der Einfluss Mart Stams auf Mies van der Rohe eine Rolle spielten. Vielmehr führte Mies van der Rohe vor, dass die Federung ein wesentliches Merkmal seiner Erfindung war, die dem ersten Stam Stuhl fehlte. Somit hielt Mies van der Rohe die Rechte an vielen technischen Aspekten des Freischwingers.
Ein Anteil Marcel Breuers an der Urheberschaft des Freischwingers wurde von den Gerichten zwar abgewiesen, ist unter Kunsthistorikern jedoch immer noch umstritten.

Konstruktion

Der klassische Freischwinger besitzt einen tragenden Rahmen aus einem einzigen gebogenen Metallrohr in „Schlittenform“, die Vorderbeine knicken unten und oben nach hinten weg. Unten läuft der Rahmen auf dem Boden wie Kufen weiter bis zum hinteren Rand des Möbels, oben verläuft er parallel zu den Kufen und dient als Träger für die Sitzfläche. Gewöhnlich knickt der Rahmen am hinteren Teil der Sitzfläche noch einmal nach oben ab, um an ihm die Rückenlehne zu befestigen, oder die Rohre werden zu Armlehnen umgebogen. In diesen Rahmen sind Sitzflächen bzw. -polster und Rückenlehne eingehängt oder eingespannt. Dieses Konstruktionsprinzip wird auch bei Freischwingern aus Formschichtholz verwendet. Der finnische Architekt und Designer Alvar Aalto hat in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts einige erfolgreiche Modelle entworfen. Ohne Rahmen kommen gewöhnlich Freischwinger aus Kunststoff aus. Bei diesen sind Rückenlehne, Sitzfläche, „Beine“ (Verbindungsstück zwischen Sitzfläche und Fuß) und Fuß eine einzige, zusammenhängende Kunststofffläche.

Physik

Die Statik (Stabilität) ist trotz der fehlenden Hinterbeine dadurch gegeben, dass die entstehende Kraft über die Spannung in den Vorderbeinen auf die Bodenkufen oder die Füße umgeleitet wird. Die Kufen, die bis zum hinteren Ende des Stuhls laufen, bilden eine weite Bodenauflage und verhindern das Umkippen des Stuhls nach hinten. Setzt sich jemand in den Freischwinger, so geben die Vorderbeine durch ihre Elastizität nach, und die Sitzfläche senkt sich leicht nach unten und hinten. Dadurch entsteht beim Sitzen ein angenehmes Schaukeln, der Stuhl reagiert federnd auf Bewegungen der Person.4

Konstantin Grcic

Konstantin Grcic (*1965) machte zunächst eine Lehre als Möbelschreiner am Parnham College (Dorset, England),
darauf folgte das Masterstudium im Bereich Design am Royal College of Art in London.
1991 gründete er in München sein eigenes Designstudio, mit dem er inzwischen nach Berlin umgezogen ist.
Konstantin Grcic arbeitet mit seinem Büro in verschiedenen Bereichen, von Projekten im Bereich Industrie- und Möbeldesign, über Ausstellungsdesign bis hin zu Kollaborationen in den Bereichen Architektur und Mode. Seine Arbeit zeichnet sich durch die sorgfältige Auseinandersetzung mit der Geschichte von Kunst, Design und Architektur und seine Leidenschaft für Technik und Materialien aus.

Aus Erfahrung gut!

„Vertrauen“ umschreibt die feste Überzeugung, sich auf eine Person oder Sache verlassen zu können. Für das Funktionieren unseres sozialen Miteinanders stellt Vertrauen eine Grundvoraussetzung dar.

Vertrauen erlangen wir durch eigene Erfahrungen. Wer sich mehrfach von der Zuverlässigkeit eines Produkts überzeugt hat, vertraut ihm und kauft es erneut. Dieser persönliche Vertrauensaufbau erfordert Zeit und Geduld, die der Käufer meist nicht hat. Bei schnellen Kaufentscheidungen vertrauen wir daher Produkten, die durch jahrelange Marktpräsenz Solidität signalisieren oder von etablierten Autoritätsinstanzen positiv bewertet wurden. Markenprodukte genießen generell großes Vertrauen und haften allein durch ihren „guten Namen“. Anderen Produkten schenken wir Vertrauen aufgrund aufgedruckter Prüf- oder Qualitätssiegel.

Starke Marke! – denn da weiß man, was man hat!

Markenartikel sind Energiesparer: Sie entlasten unser Gehirn beim Gang durch den Supermarkt! Beim langwierigen gegeneinander Abwägen der offerierten Produkte verbraucht das Gehirn viel Energie – eigentlich eine Verschwendung angesichts der nicht lebenswichtigen Entscheidung, welches der in ihrem Nutzwert identischen Produkte für uns das Beste wäre. Der schnelle Griff nach vertrauten und soliden Markenprodukten verkürzt das Auswahlverfahren erheblich und spart „Denkenergie“ für wahrhaft wichtige Entscheidungen.

Markenprodukte haften allein durch ihren „guten Namen“. Wir schenken ihnen blindes Vertrauen und greifen nach ihnen ohne langes Nachdenken. Der von Mobilität, Hektik und schnellem Wandel geprägten Gesellschaft offerieren sie wohltuende, unser Sicherheitsbedürfnis bedienende Konstanten. Als risikolose „Konsumlebensversicherung“ bewahren Markenprodukte uns gleich vor mehreren „Gefahren“: durch schlechte Qualität die eigene Gesundheit zu gefährden; Enttäuschung zu empfinden angesichts minderer Qualität oder schlechtem Preisleistungsverhältnis; oder sozial im Abseits zu stehen, weil man beispielsweise die falschen Turnschuhe trägt.

Visualisierte Reinigungskraft – von sanften Spülmitteln und aggressiven Fettlösern

Vorgestellt seien zwei fiktive Produkte: Das hautfreundliche, besonders sensitive Spülmittel „Cratzi“ und der schonende, ökologisch abbaubare Küchenreiniger „Oxytrem“, beide verpackt in neongelber Flasche mit pinkfarbener oder grellgrüner Schrift. Kein auf „sanfte Reinigungskraft“ Wert legender Kunde würde nach diesen Produkten greifen, denn ihr „Äußeres“ – inklusive des Produktnamens – widerspricht den etablierten Zeichen für „Sanftheit“, die wir als Verbraucher über Jahre gelernt haben.

Wer die Supermarktregale hinsichtlich der Gestaltung von Haushaltsreinigern oder Spülmitteln analysiert, erkennt das Gestaltungsprinzip schnell: Das sensitive und vielleicht auch parfümfreie Spülmittel ist durchsichtig und in einer ebensolchen Flasche verpackt, oder es schimmert seidigweiß und lässt die Geschmeidigkeit von Körperlotion assoziieren; als maximalen Farbreiz weist es eine zarte Pastelltönung auf. Sanfte Farben suggerieren sanften Inhalt und die Durchsichtigkeit eine „Reinheit“, die vermeintlich auf jegliche Zusatzstoffe verzichtet.

Ganz anderen Prinzipien folgt die Farbgestaltung von Haushaltsreinigern mit besonders starker Reinigungskraft. Hier kommen bevorzugt schrille, „starke“, kontrastierende Farben zum Einsatz wie Neonpink, Lila oder Neongrün. Ein solch schrilles, farblich aggressiv auftretendes Verpackungsdesign lässt – ergänzt durch „knallende“ Namen wie beispielsweise „Bang“ und einer zackig-dynamischen Schrifttype – die hohe, durchschlagende Reinigungskraft bereits vor dem ersten Gebrauch assoziieren.

Verpackungsdesign fungiert demzufolge immer auch als „Zeichen“, anhand dessen der Kunde die Eigenschaften des Inhaltes „ablesen“ kann, gemäß des Mottos: Was starkfarbig aussieht, ist auch stark in der Leistung. Auf dieses Prinzip vertrauend, würde jeder von uns in Ländern, in denen wir aufgrund der fremden Schrift selbst zu Analphabeten werden – also etwa in Japan oder Russland – nach einem sanften oder starken Reinigungsmittel suchen – in der Hoffnung, dass in diesen Ländern dieselben Farbcodes gelten wie bei uns.

Freude und Enttäuschung

Freude gehört zu den positiven, fundamentalen Emotionen und lässt sich mit „hochgestimmter Gemütszustand“ umschreiben. Dem Emotionspsychologen Caroll E. Izard zufolge besitzt „Freude“ unter anderem die Funktion, das Leben erträglicher zu machen. Das Erleben von Freude und positiven Emotionen ist lebensnotwendig für uns. Sie sorgen für die Wiederherstellung eines ausgeglichenen inneren Milieus, das negative Emotionen aus dem Gleichgewicht bringen können. Freude lässt sich allerdings nicht bewusst hervorrufen. Sie ist ein „Nebenprodukt“ von Ereignissen und Gegebenheiten und nicht das Resultat einer gezielten Anstrengung, Freude zu erlangen. Ein Freude-Erlebnis entsteht immer dann, wenn wir etwas haben wollen und dieses schließlich bekommen. Das kann der „reale“ Besitz einer Sache sein, aber auch die Erfüllung abstrakter Wünsche bedeuten, denn manch einer wünscht sich, dass ein Gegenstand leicht zu bedienen ist und man sich auf seine Funktion verlassen kann. Generell gilt: immer wenn Produkte die individuellen, persönlichen Ziele und Belange eines Menschen erfüllen, entsteht „Freude“ und Zufriedenheit – und Enttäuschung, wenn diese Ziele und Wünsche nicht erfüllt werden.

Kaffeepadmaschine

„Schon als ich die Maschine zum ersten Mal sah, wollte ich sie sofort haben. Ihre Form erinnert mich an ein schickes Notebook, gleichzeitig an die reduzierte Linie einer Kinderzeichnung oder an ein Puzzle, das ein befriedigendes Gefühl auslöst, weil zwei Teile so optimal ineinanderpassen. Die durchdachte Einfachheit, die kompakte Form und die absolute Funktionalität begeistern mich: Die kleine Box produziert genau die eine Tasse Kaffee, die ich haben will – und sonst nichts.“

“Kaffeepad Testdrive von Cafésito aus Kißlegg in einer WMF 1.” by hoomygumb is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Freude und Enttäuschung sind beides sehr subjektive Empfindungen. Sie resultieren aus einer sehr persönlichen Beziehung zwischen Mensch und Objekt und lassen sich nicht verallgemeinern. Ausschließlich der Besitzer kann erläutern, warum ihm gerade dieses oder jenes Produkt „Freude“ oder „Enttäuschung“ bereitet. Im folgenden schildern gleich mehrere Personen ihr „Freud und Leid“ mit Objekten aller Art.

„Das find’ ich gut!“ – Dinge, die Freude bereiten

Konsumenten stellen ganz unterschiedliche Ansprüche an Produkte. Untersuchungen zufolge stehen in der Hierarchie des Konsumentenbedarfs „Freude“ oder „Vergnügen“ im Umgang mit Produkten an erster Stelle, gefolgt von der Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität. Objekte bereiten uns während des Gebrauchs Freude oder allein schon durch ihren Anblick. Daneben kann uns auch der ideelle Wert, welchen das Objekt repräsentiert – beispielsweise seine umweltschonende Herstellung oder Recyclingfähigkeit –, Freude bereiten.

4x Freude am Produkt

Der Autor des Buches „Designing pleasureable products“, Patrick W. Jordan, unterscheidet vier Arten von produktbezogener „Freude“ (product pleasure):
„Psycho-pleasure“ Diese Art der Freude ist eng mit der Bedienbarkeit und Nutzbarkeit des Produktes gekoppelt. Beispielsweise empfinden wir Freude über das gute Gelingen einer Aufgabe mithilfe eines Produktes, wenn Objekte die Anforderungen in einer bestimmten Situation erfüllen oder wir uns auf sie verlassen können.
„Socio-pleasure“ Freude lösen Produkte aus, die unseren Wunsch nach sozialer Anerkennung und Integration zufrieden stellen. Freude kann der Besitz von Objekten bereiten, die beispielsweise eine bestimmte soziale Gruppe repräsentieren, aber auch eine neue Kaffeemaschine im Büro, die kollegialer Treffpunkt und damit Ort für Kommunikation und für soziales Leben wird.
„Physio-pleasure“ Dieses körperlich erfahrbare Vergnügen entsteht durch Sinneseindrücke wie Berührung, Geruch oder andere sensuelle Reize. Beispielsweise fühlt sich etwas angenehm warm und weich an, und es liegt durch runde Formen gut und sicher in der Hand.
„Ideo-pleasure“ Produkte repräsentieren immer auch bestimmte Werte. Spiegeln sich in den Produkten die persönlichen Ideale des Besitzers wider, empfindet dieser Freude an ihnen. Wer ökologische Werte achtet, erwirbt mit Vergnügen energiesparende Geräte oder naturbelassene Bioprodukte, andere empfinden aufgrund ihrer ethischen Verpflichtung Freude an „Fair trade“- Produkten oder tierversuchsfreier Kosmetik.

Freude durch Erinnerung – Produkte als „Souvenirs des eigenen Lebens“

Produkte lösen häufig starke Empfindungen in uns aus, wenn wir mit ihnen eine bestimmte Erinnerung verknüpfen. Sie sind „Erinnerungsträger“ und stellen ein Bindeglied zwischen der Gegenwart und einem bereits vergangenen Erlebnis oder einer Stimmung her. Produkte sind somit Vergnügen, aber auch Enttäuschung oder Trauer auslösende Souvenirs des eigenen Lebens. Als Repräsentanten bestimmter Lebensmomente und – phasen, aber auch konkreter Ereignisse, spiegeln sie das einst durchlebte Gefühl wider und machen dieses über Jahrzehnte oder lebenslang für uns abrufbar. Dies mag begründen, warum wir uns von vielen Gegenständen, die unseren ästhetischen oder qualitativen Ansprüchen schon lange nicht mehr genügen, dennoch nicht trennen. Denn entfernten wir sie aus unserem Lebensumfeld, entschwände mit ihnen vielleicht auch ein bestimmter Moment und Teil unseres Lebens für immer aus unserer Erinnerung, der bislang durch genau jenes Objekt abrufbar war.

Lass’ Dich überraschen – Produktdesign wider die Norm

Überraschungsmomente im Produktdesign stellen sich durch unerwartete visuelle oder andere sensorische Produkteigenschaften ein, die der „gelernten“ Erwartung des Betrachters zuwiderlaufen. Vorraussetzung für das Einsetzen von Überraschung ist eine über Jahre erfolgte „Prägung“ auf formale Charakteristika, auf Standardformen, kurz: auf Dinge, die „der Norm“ entsprechen. Beispielsweise besitzt ein Staubsauger in der Regel ein voluminöses Gehäuse auf Rädern, ein langes separates Rohr sowie ein Kabel und ist eben nicht flach, rund und kabellos. In einer solchen Form würden wir den Staubsauger nicht vermuten, da sie sich unseren Sehgewohnheiten widersetzt und das Gehirn kein „Erinnerungsbild“ findet, das diesen formalen Vorgaben entspricht. Zwangsläufig stellt sich Neugier und beim „Erkennen“ der tatsächlichen Funktion des Gerätes Überraschung ein.
Manche Objekte wecken allerdings gerade durch vertraute Formen oder Oberflächenanmutungen eine bestimmte Erwartungshaltung bezüglich ihrer Funktion, ihres Materials oder sonstiger Produkteigenschaften. Trifft das Auge beispielsweise auf solche Gegenstände, deren Oberflächenanmutung und Gestalt im Gehirn die gelernten Erinnerungsbilder „mattiertes Glas“ und „Vase“ aktivieren, ist man zunächst nicht weiter überrascht, ja vielmehr überzeugt, Glasvasen vor sich zu haben. Die Berührung dieser Vasen löst jedoch umgehend einen Überraschungseffekt aus, denn wider Erwarten bestehen die Vasen aus weichem Silikon. Das Gehirn hat voreilig seine Schlüsse gezogen und sich täuschen lassen, aber in Folge auch dazugelernt. Treffen wieder einmal vergleichbare visuelle Reize im Gehirn ein, wird es beispielsweise die Materialoption „Silikon“ mitberücksichtigen oder auch den kabellosen, runden Staubsauger als solchen erkennen.

Magische Momente

In besonderem Maß irritieren bislang nicht etablierte und zum Teil auch widernatürlich und surreal anmutende Eigenschaften von Objekten. Beispielsweise eine schwebende Leuchte oder Vase, oder ein farbig leuchtender Wasserstrahl. Der Eindruck solcher Produkte ist sehr intensiv. Denn ein Überraschungseffekt ist umso stärker, je „unerkennbarer“ und „unnatürlicher“ seine Ursache für uns ist. Ereignisse, deren Hintergründe wir nicht sofort erklären können, empfinden wir als erstaunlich. Umgekehrt verliert sich das Staunen, je eindeutiger die Wirkung auf seine Ursache zurückzuführen ist.