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Bewertung von Design

Allgemeine Prüfkriterien für Design kann es nicht geben, dazu sind die Produkte und Anforderungen zu unterschiedlich. Zehn Thesen des renommierten Designers und Hochschullehrers Herbert Lindinger finden bei der jährlichen Designerauszeichnung durch die Jury des weit beachteten Industrie Forum Design Hannover e. V, Berücksichtigung und können helfen, für jeweils spezifische Produkte eigene Bewertungsmaßstäbe zu entwickeln.
An beliebigen Produktbeispielen aus unserem Alltag können die verlangten Eigenschaften überprüft, verändert oder ergänzt werden. Die Diskussion in der Lerngruppe, vielleicht im Rahmen eines kleinen Designwettbewerbs "Tops und Flops", wird neue Einsichten hervorrufen.

Quelle: iF Jahrbuch für Industriedesign 1997, Industrie Forum Design Hannover e.V. (Hrsg.),
München 1997 (Erstveröffentlichung 1981) (JK)



Kriterien für eine Designauszeichnung von Industrieprodukten.
Produkte oder Produktsysteme von überragender Designqualität zeichnen sich durch eine Reihe von Eigenschaften aus:

1. Praktischer Nutzen
Hohe Gebrauchstauglichkeit und einwandfreies Funktionieren.

2. Ausreichende Sicherheit
Erfüllung einschlägiger Sicherheitsvorschriften und bestehender Leistungsnormen sowie Berücksichtigung von flüchtigem und unachtsamem Gebrauch (Narrensicherheit). Eliminierung von Verletzungsgefahren beim Bedienen.

3. Lebensdauer und Gültigkeit
Übereinstimmung von ästhetisch und physisch angemessener Lebensdauer.

4. Ergonomische Anpassung
Anpassung des Gegenstandes an die physischen Gegebenheiten der Benutzer (leichte Bedien- und Ablesbarkeit, geeignete Arbeitshöhen, Greifweiten, Komfort, Vermeidung von unnötiger und belastender Ermüdung). Visuelle Störungsfreiheit (Vermeidung von Irritationen, Blendung und visueller Fehlinformation).

5. Technische und formale Eigenständigkeit
Vermeidung von Nachahmungen (Plagiat).

6. Umfeld-Beziehungen
Der Gegenstand soll in Funktion und Gestalt nicht nur für sich, sondern auch in zwischengegenständlicher Beziehung, d. h. in seiner späteren Produkt-Nachbarschaft, sinnvoll sein. Angemessenheit des Aufwands an Formen, Farben, Materialqualitäten in Bezug auf Gebrauch und Stellenwert des Produktes.

7. Umweltfreundlichkeit
Energie- und ressourcenschonend in Herstellung und Gebrauch, abfallarm und recyclinggerecht.

8. Gebrauchsvisualisierung
Die Form des Produktes soll nach Möglichkeit informieren über Funktion und Nutzung des Objektes und seiner Teile, um seine Handhabung zu erleichtern oder um seinem Sinn Ausdruck zu verleihen.

9. Hohe Gestaltungsqualitäten
Überzeugender struktureller Aufbau, Erkennbarkeit des beabsichtigten Gestaltungsprinzips, z. B. bewusste Schalen- oder Skelettbauweise u. ä. Augenscheinliche Beziehung des Ganzen zu seinen Teilen hinsichtlich Formen, Volumen, Maßen, Farben, Materialqualitäten, Produktgrafik, Durchgängigkeit von einmal gewählten Konstruktions- und Gestaltungsprinzipien (formale Konsequenz). Prägnanz und Eindeutigkeit der Gestaltungselemente, z. B. Formübergänge, Kontraste von Formen, Farben und Schriften, Proportionen. Ästhetisch sinnvolle Gliederung im Einklang mit Herstellung, Montage, Nutzung und Wartung der Teile. Logik der Form hinsichtlich des verwendeten Materials, des jeweiligen Herstellungsverfahrens und Gebrauchs.

10. Eine sinnlich-geistige Stimulanz
Eine Gesamtwirkung, die den Nutzer animiert, erfreut, seine Sinne stimuliert, dort, wo es sinnvoll ist, seine Neugierde weckt, zum Spielen oder eigenem Gestalten anregt, die Lust an Witz, Ironie oder Verfremdung anspricht. Kurzum eine Form, die zu einer Identifikation führen kann.
Je nach Objekt und Branche werden diese Kriterien meist von produktspezifischen ergänzt. Auch ihre Bedeutung bzw. Gewichtung hängt von der Funktion der Objekte ab. Sie wird z. B. bei einer Blumenvase oder einem Möbelstück anders ausfallen als bei der Einrichtung einer Intensiv-Station. Zudem sollte betont werden, dass diese Wertmaßstäbe einer langsamen, aber stetigen Veränderung unterliegen. Industrieprodukte entstehen in einem Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt, sozialem Wandel, ökonomischen Gegebenheiten und den Entwicklungen in Künsten, Architektur und Design.

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Einstelldatum: Februar 2009