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Thron oder Kissen? | Schüler entdecken Design

Früh übt sich, wer verstehen will. Mit dem Projekt „Schüler entdecken Design“ will die Stiftung Deutsches Design Museum, eine Initiative des Rats für Formgebung, für größere Designkompetenz unter Schülern sorgen. Lutz Dietzold, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung, stellt das Projekt vor.




KINDER UND DESIGN? Kinder und Kunst, ja! Da findet sich eine Menge an Aktivitäten. Auch Angebote wie Tanzen, Musik, Theater stehen hoch im Kurs. Auf Bundesebene sind in den letzten Jahren verschiedene Initiativen entstanden, die das Thema Kreativität bei Kindern und Jugendlichen stärker verankern sollen. Dies ist sicherlich ein Reflex auf die stärkere Beschneidung der Fächer Kunst und Musik im Rahmen der Lehrpläne. Der Werkunterricht ist vielfach gleich ganz verschwunden. Auch die hektischen Reaktionen im Rahmen der Vorstellung der ersten Pisa-Studien und das schlechte Abschneiden Deutschlands bei den mathematisch naturwissenschaftlichen Kompetenzen haben zu einer Dominanz dieser Fächer in den Lehrplänen geführt. Eine der Initiativen, die dieser Entwicklung einen Gegenpol setzt, ist beispielsweise das bundesweite Netzwerk der Kulturagenten. Das von der Kulturstiftung des Bundes, verschiedenen Bundesländern und der Stiftung Mercator getragene Projekt hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen das Thema Kunst und Kultur an Schulen näherzubringen. Die Projekte werden koordinierend von den an den Schulen tätigen Kulturagenten entwickelt und sollen nachhaltige Wirkung entfalten, so eben auch durch die Qualifizierung von Lehrkräften.

Nachhaltigkeit versteht sich hier auch in dem Ziel, die Themen stärker in den Lehrplänen zu verankern und durch modellhafte Projekte die Entscheider in den Ministerien zu sensibilisieren. Das Thema Design findet allerdings in den meisten dieser Initiativen noch keine Berücksichtigung. Aus der Disziplin heraus gibt es Aktivitäten wie die Plattform designwissen.net, die Materialien zum Themenkomplex für Pädagogen und Schüler zur Verfügung stellt. Die Allianz deutscher Designer plant ein „Toolkit Design“ für Schüler, und an der Universität Vechta gibt es den einzigen Lehrstuhl für Designpädagogik in Deutschland.

Trotzdem bleibt zu konstatieren, dass das Feld eher noch in den Kinderschuhen steckt. Dabei hatte sich der Deutsche Werkbund schon in den 1960er Jahren um Aufklärung bemüht: Im Rahmen des Projektes „Werkbundkiste“ versandte er, ganz dem Geist der „Guten Form“ verpflichtet, Kisten zu verschiedenen Themengruppen wie „der Arbeitstisch“, „das Besteck“ oder „Kunststoff“ an Schulen, um dort die Schüler für Design zu sensibilisieren.
Eine solche Sensibilisierung für die Alltagskultur ist aber auch heute wichtig, denn Design ist nicht einfach nur schön. Design prägt. Eines der Schwerpunktthemen der Stiftung Deutsches Design Museum ist daher das Projekt „Schüler entdecken Design“, bei dem an Schulen in ganz Deutschland ein- oder mehrtägige Designworkshops durchgeführt werden.

Ziel ist es, sich mit den bestehenden Initiativen zu vernetzen und dort das Thema Design stärker und sichtbarer zu machen. In einem der Workshops geht es beispielsweise um das Thema Sitzen. Dabei durchlaufen die teilnehmenden Schüler unter Anleitung eines Designers beispielhaft den gesamten Designprozess – von einer Recherche zum Thema Sitzen bis zu einem Brainstorming. Die Entwurfsphase und die anschließende Präsentation der Entwürfe münden dann in den Prototypenbau.
Die Ergebnisse werden schließlich von den einzelnen Schülerinnen und Schülern der Klasse präsentiert. Damit steht am Ende des Prozesses das Erfolgserlebnis, etwas Eigenes geschaffen zu haben. Mit dem Projekt soll Verständnis für gestalterische Prozesse vermittelt und auch das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen gestärkt werden. Zudem wird die Fähigkeit gefördert, ein entsprechendes Vokabular bei der Beschreibung und Beurteilung von Dingen oder der gestalteten Umgebung zu entwickeln.
Dabei kommt es darauf an, Themen zu erarbeiten, die Bezüge zum Alltag der Schüler aufweisen. So verstehen sich die Workshops auch als Ergänzung zu bestehenden Angeboten im Museumsbereich und bieten durch den direkten Zugang in Schulen auch die Option, Jugendliche zu erreichen, die alternative Angebote nicht wahrnehmen. In der ersten Projektphase bis 2016 sollen 10.000 Schülerinnen und Schüler erreicht werden. Das Angebot wird sowohl über Partner als auch über die Kultusministerien der Länder bekannt gemacht.
Die Stiftung Deutsches Design Museum möchte Schüler bundesweit fördern und einen deutlichen Akzent in Richtung Gestaltung legen. Denn Design bietet die Möglichkeit, Form, Farbe, Material, Gestaltung, Nutzen und Erfindergeist zu verbinden.

 

www.deutschesdesignmuseum.de

Urheber: Lutz Dietzold

Einstelldatum: Juni 2014