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1950-1960

studio 2


© Kuichi Okuwaki

Im Jahr 1960 veröffentlichte eine Gruppe japanischer Architekten das Manifest ‚Metabolism 1960 - The Proposal for Urbanism’. Hintergrund waren die stark wachsenden Städte Japans, für die man nun keinen starren Masterplan, sondern ein flexibles ‚System Planning’ anwenden wollte, das einer sich dauernd wandelnden Gesellschaft und einer Wachstumsflexibilität besser entspräche. Auch in der Architektur selbst war das modulare Prinzip seit Schinkels Berliner Bauakademie von 1831-36, seit Paxtons Londoner Kristallpalast von 1851 und seit den Vertretern der Moderne von Mies van der Rohe über Konrad Wachsmann bis Kisho Kurokawa präsent.

1959 gelang Dieter Rams die kongeniale Umsetzung dieses Systemdenkens in den Bereich der Unterhaltungselektronik. Schon das Steuergerät atelier 1 von 1958 besaß eine von den Lautsprechern getrennte  Radio- und Phono-Einheit. Nun wurden zunächst das Empfangsteil und zwei Jahre später auch der Plattenspieler vom Verstärker getrennt, so dass unterschiedliche Kombinationen zusammengestellt werden konnten. Bei den späteren Braun-Anlagen sollte sich dieses Prinzip noch weiter ausdifferenzieren, bis schließlich Empfänger, Vorverstärker, Verstärker, Plattenspieler, Tonbandmaschine, Cassettenrecorder und Video-, CD-Player und Fernseher ein eigenständiges aber technisch und optisch kompatibles Modul bildeten. Die Auftaktkombination studio 2 zeichnet sich durch wohlproportionierte Metallkuben, eine Formreduktion auf Rechteck und Kreis, durch eine klare Gerätebeschriftung und durch nur drei unterschiedliche Schalterelemente aus. Alle Schalterstellungen geben dabei schon visuell Auskunft über die jeweilige Konstellation des Geräts. 

Text: Klaus Klemp

Einstelldatum: Dezember 2010