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LC 4


© H. Evers, designwissen.net, 2011

Le Corbusier: LC 4

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Mit einer Assoziation fing alles an: „Ich stellte mir einen einfachen, müden Soldaten vor, der sich auf den Rücken legt, die Füße hoch an einen Baum lehnt und den Rucksack unter den Kopf legt.“ Mit diesem Bild vor Augen entwarf die französische Designerin Charlotte Perriand vor 80 Jahren das vielleicht bekannteste Entspannungsmöbel der Neuzeit – die Liege LC 4. Namensgeber für den Klassiker mit dem markanten Doppelknick war allerdings ein anderer prominenter Gestalter, der am Entwurf mitwirkte: Le Corbusier – einer der einflussreichs ten Archi tekten des 20. Jahrhunderts.

Zweckformen der Technik
Anfang der 30er Jahre hatte Le Corbusier schon mit den damals neuen Baustoffen Eisenbeton und Stahl gearbeitet und dabei die wichtigsten Eckpunkte seiner Architekturlehre erarbeitet: Häuser aus Eisenbeton-Stelzen mit eingehängten Wänden, flexibel aufteilbar, ohne Dekorationen, orientiert an den Zweckformen der Technik und Industrie. Dass die Industrie das künftige Leben bestimmen würde, hatte er selbst erfahren müssen. Als Jugendlicher sollte er das Handwerk seines Vaters, der Uhren mit Email-Verzierungen verschönerte, fortführen. Doch mit der Massenproduktion aus den neuen Fabriken konnte der Junghandwerker nicht mithalten. Er erkannte bald, dass die modernen technischen Möglichkeiten auch in der Architektur genutzt werden müssten. Seine Häuser sollten „Wohnmaschinen“ werden. Seine Mitarbeiterin Charlotte Perriand entwarf die entsprechenden „Maschinen für das Sitzen und Ruhen“, Möbel mit geometrischen Grundformen, auf Stützen aufgebaut. Die eigentlichen Polster werden nur noch aufgelegt. Leder oder eine Bespannung aus Kalbfell sollten den Kontrast zum Chromstahl des Aufbaus verstärken. Seit 1965 gehört die LC 4 zu den Bestsellern im Programm des Hauses Cassina – als moderne Ruhestatt für müde Großstadtkrieger.

Horst Seipp

Ehrenvorsitzender der creativen inneneinrichter (ci)


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Einstelldatum: April 2009