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Farbe


Trinkbecher KALAS, Design: Monika Mulder (Polypropylen) 
© mit freundlicher Genehmigung von IKEA Deutschland

Ein wesentliches Element der Gestalt ist die Farbe. Allein das Thema Farbe am Industrieprodukt ist so umfangreich, dass dies hier nur umrissen werden kann. Farbe ist in besonderer Weise geeignet, die Psyche des Produktbenutzers anzusprechen. Das eine Prinzip der Farbgebung am Industrieprodukt ist die Anwendung aktiver, kräftiger Farben. Dies kann einmal vom Industrieunternehmen mit der Absicht geschehen, die Aufmerksamkeit der Kaufinteressenten von den farbneutralen Produkten der Mitbewerber auf die eigenen zu lenken. Farbintensiv gestaltete Produkte haben für den Benutzer den Vorteil, dass sie sich in den meisten Fällen von der Umgebung, in der sie verwendet werden, abheben. Dies kann einmal geschehen, um in einer monotonen Umgebung Akzente zu setzen (z. B. intensive Farbgebung an Gartengeräten, die sich von dem überwiegenden Grün der Gartenlandschaft abheben sollen), zum anderen aber, um die intensive Farbe als Aufmerksamkeitserreger und Symbol für mögliche Gefahr einzusetzen (z. B. an Straßenbaumaschinen und Ackerfahrzeugen). Besonders in der Produktionssphäre und im Straßenverkehr ist die Anwendung von Farbe am Produkt als Signal für mögliche Gefahr sehr verbreitet. Das andere Prinzip der Farbgebung an Industrieprodukten ist die Verwendung passiver, neutraler Farben. Industrieprodukte mit neutraler Farbgebung haben die Eigenschaft, sich unauffällig in eine Umgebung einpassen zu lassen. Gerade weil Produkte unterschiedlichster Hersteller, die unabhängig voneinander gestaltet wurden, durch die Auswahl des Benutzers in dessen Umwelt zusammengefügt werden und dessen Lebensbereich prägen, erscheint es sinnvoll, wenn nicht jedes Produkt durch aktive Farbe die Aufmerksamkeit fesselt. Eine solche Umwelt wäre auf die Dauer sicher zu anstrengend und dann nicht zu ertragen. Durch die Entwicklung farbbeständiger Kunststoffe, die von den Rohstoffherstellern in einer breiten Farbskala angeboten werden, ist es vielen Herstellern der Produkte möglich, verschiedene Farbvarianten eines Produktes für die verschiedensten Benutzerwünsche anzubieten, ohne dass die Herstellungskosten wesentlich steigen würden. So werden heute oft benutzte Gebrauchsprodukte meist in neutraler Farbgebung und in verschiedenen aktiven Farben angeboten. In verschiedenen Produktbereichen (z. B. in der Automobilindustrie) hat sich seit einigen Jahren eingespielt, dass die Farbgebung wie in der Mode für eine begrenzte Saison festgelegt wird.

Für den Industrial Designer besteht über die Anwendung von neutraler oder intensiver Farbgebung hinaus die Möglichkeit, Farbe für eine differenzierte Gestaltung der Produkte einzusetzen. Es eignet sich Farbe besonders für die Erzeugung von Kontrasten. So kann bei verschiedenen Bauteilen eines Produktes durch deren unterschiedliche Farbgebung eine visuelle Strukturierung erzeugt werden. Große Farbflächen und kleine Farbflächen erzeugen an der Gestalt eine Kontrastspannung, wodurch eine Monotonie der Form aufgehoben werden kann. Zudem können durch verschiedene Farben Gewichtsvorstellungen beim Betrachter hervorgerufen werden. Dunkle Farben wirken schwer und erzeugen den Eindruck von Erdverbundenheit. Helle Farbtöne wirken dagegen leicht und schwebend. Durch den Einsatz solcher Erkenntnisse kann die Produktgestalt gezielt beeinflusst werden. Voraussetzung dafür ist natürlich eine genaue Vorstellung darüber, welche Wirkung durch die Farbgebung erreicht werden soll. Dies gilt prinzipiell für den Einsatz aller Gestaltelemente, denn wenn kein Ziel vorhanden ist, ergibt sich eine beliebige Lösung.

© Bernd Löbach. Textauszug aus: „Industrial Design. Grundlagen der Industrieproduktgestaltung“, München 1976

Einstelldatum: Oktober 2008