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1970-1980

Die 70er Jahre - Gesellschaft und Design

Das Wirtschaftswachstum der Industriestaaten erreichte Mitte der 60er Jahre seinen ersten Höhepunkt. Man sprach von Konsumgesellschaft, da sich nun im Gegensatz zur Zeit des Wirtschaftswachstums der Fünfziger eine breite Schicht der Gesellschaft am Massenkonsum beteiligen konnte.
Der im Funktionalismus vorangetriebene Systemgedanke wurde in der Wirtschaft zunehmend unter dem Aspekt der Rationalisierung und Kostenersparnis gesehen, was eine Unzahl an „emotionsarmen“ und geradlinigen Produkten zur Folge hatte. Gerade in der Architektur und Städteplanung zeigte sich deutlich, wie wenig auf die menschlichen Bedürfnisse eingegangen wurde, wie der Bau von Trabantensiedlungen zeigt.

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Der Sieg der Guten Form – Erfolge des Werkbund
Der Sieg der Guten Form – Erfolge des Werkbund, Illustration von Lucius Burckhardt, in: Hellmann, Ulrich, Industrial Design – herstellen, verkaufen, gebrauchen, (Materialien für den Sekundarbereich II, Arbeitstexte für den Kunstunterricht), Hannover: Schroedel-Schulbuchverlag, 1983, S.115, Bildrechte unbekannt

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Trabantensiedlung, Neue Vahr, Bremen
Foto: Neue Heimat, Bildrechte: Hamburgisches Architekturarchiv

Vor allem die Jugend versuchte sich immer mehr der kompletten Funktionalisierung des Alltags zu verweigern und machte ihrem Unmut Ende der 60er Jahre in vielfältigen Protesten Luft. Die Protestbewegungen richteten sich hier einerseits gegen die starren autoritären Strukturen in Gesellschaft und Politik, andererseits gegen das „Konsumverhalten der kapitalistischen Wohlstandsgesellschaft“ (Schneider, Beat, Design – eine Einführung, S. 138, Basel: Birkhäuser Verlag, 2005).
Die politischen Änderungen der 70er Jahre, die unter anderem aus der Studentenbewegung der 68er Jahre und der Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule hervorgingen, hatten auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Designs. Ausschlaggebend für den Bereich der Gestaltung war Wolfgang Fritz Haugs Buch Kritik der Warenästhetik, in dem er dazu auffordert, die Funktion der ästhetischen Aufmachung der Waren durch die politische und ökonomische Analyse auf ihre gesellschaftlichen Verhältnisse hin zu untersuchen, um so ein kritisches Bewusstsein zu ermöglichen (Löbach, Bernd, Industrial Design im Unterricht, Ravensburg: Otto Maier Verlag, 1997). 
Der Fokus in der Auseinandersetzung mit Design, der sich bisher vor allem auf die ästhetischen und formalen Funktionen beschränkte, wurde nun auf die gesellschaftlichen und soziokulturellen Aspekte ausgedehnt. Man sprach von primären (praktischen) Funktionen und sekundären (symbolischen) Funktionen. Gerade bei den symbolischen Funktionen spielt der Kontext in dem Gestaltung auftritt eine grosse Rolle.

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Sitzsack von Piero Gatti / Zanotta SpA – Italy

Für viele Gestalter kam es zum Konflikt nur „Handlanger des Industriekapitalismus“ (Hauffe, Thomas, Schnellkurs Design, S.138, Kölln: DuMont, 2008) zu sein. Dies führte dazu, dass sich eine nicht unbedeutende Zahl von Designern ganz in den Bereich der Theorie zurückzog und gesellschaftspolitische Konzepte entwarfen. Parallel zur Concept Art entstand auch im Gestaltungsbereich das Konzeptdesign.

Aber auch die Ölkrise von 1973 und das aufkeimende Bewusstsein endlicher Rohstoffressourcen spielten für die Designentwicklung in den 70er Jahren eine bedeutende Rolle. Gruppen wie die Offenbacher „Des-in“ widmeten sich ganz dem Recyclingdesign, wie der Entwurf des Reifensofas zeigt.

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Reifensofa von Des-in, Jochen Gros

Auch wenn sich die meisten der Designkollektive nach ein paar Jahren wieder auflösten ohne die Welt wirklich verändert zu haben, ebneten sie den Weg für eine unglaubliche Vielfalt im Design der 80er Jahre.

Oraide Bäß



ANREGUNGEN ZUR DISKUSSION UND PRAKTISCHE ÜBUNGEN

Sekundarstufe II

Was sind die ästhetischen und formalen Funktionen eines Produkts?

Hat ein Produkt noch weitere Funktionen?

Welche gesellschaftliche Verantwortung/Aufgaben kann Design haben?

Untersuchung von Produkten nach verschiedenen Funktionen und Einflussfaktoren, die im Text angesprochen werden (Produkte die sich anbieten: Jeans, Handy, Computer und Internet. Beim Computer kann man sehr gut die unterschiedliche Gewichtung von symbolischen Funktionen zwischen Mac und PC herausarbeiten, aber auch gesellschaftliche und ökologische Aufgaben von Design, wie der XO-laptop der Initiative „One Laptop per Child“ (http://www.laptop.org), Internetzensur in China, oder auch die Initiative für mehr Ökologie bei Apple Macintosh, in der sich viele Designer mit ihren Techniken für eine umweltfreundlichere Haltung der Firma eingesetzt haben http://www.greenpeace.org/apple.)


Sekundarstufe I + II

Welchen Rang hat Markenkleidung unter den Schülern?

Gibt es außer Marken noch andere „Geschmackscodes“ innerhalb der Klasse?  

Was ist die Aufgabe von Schuluniformen? (Es finden sich einige aktuelle Beispiele im Internet wie z.B. die Schulkleidung der Berliner Rütli-Schule: http://www.ruetli.biz oder durch Eingabe der Suchbegriffe Schuluniform, Schulkleidung etc. in einer Internetsuchmaschine).

Gestaltung einer Schuluniform, nach einem gemeinsam angelegten Anforderungskatalog.

Entwurf einer Werbekampagne zu einem Thema, das den Schülern gesellschaftlich relevant erscheint und dazu anhält, den heutigen Zustand zu verbessern. (Analyse des Themas / Wahl der geeigneten bildnerischen Mittel bzw. Materialien / und Umsetzung der Idee in Form eines Plakats, Produkts etc).

Urheber: Bäß | Oraide

Einstelldatum: Februar 2009