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Designentwicklungen

Marion Godau
Designentwicklungen - Warum verändert sich Design?


Unsere Gesellschaft ist einem permanenten Wandel unterworfen. Als eine Facette von Kultur betrifft dieser Wandel auch das Design. Wäre Design ein statischer Zustand, so hieße die Prämisse für Gestalter, dass man nur „das Richtige“ entwerfen müsse, und dann wäre die Arbeit getan. Einmal entworfen, für immer produziert. Doch sogar Designklassiker sind der Regel unterworfen, dass Produkte über kurz oder lang durch andere ersetzt werden.
Oft ist nicht Verschleiß der Grund, dass etwas Neues her soll, sondern eine diffuse Unlust, einen Gegenstand länger zu benutzen oder anzusehen. Nicht sein Funktionieren ist dann veraltet, sondern sein Design, ein Umstand, der Mode in Bewegung hält. Das Bedürfnis nach neuen Dingen an visueller Abnutzung festzumachen, greift jedoch zu kurz. Vielmehr ist unsere Dingwelt mit seiner Variantenvielfalt Ausdruck gesellschaftlicher Dynamik und der damit einhergehenden Haltungen.

Sozialer Wandel, etwa die Tendenz zum Singlehaushalt, verändert die Auffassung von der Umwelt und damit die Art und Weise, sie zu interpretieren. Technische Innovationen eröffnen neue Möglichkeiten, Produkte zu kreieren. Veränderte wirtschaftliche Bedingungen beeinflussen den Produktionsprozeß und Marktbedingungen. Alle drei Faktoren sind miteinander verflochten und beeinflussen die Gestaltung von Produkten.

Im zivilisatorischen Wandel etwa der Küche zeigt sich, dass technische Innovationen auch immer soziale und kulturelle Wandlungen nach sich ziehen. Die Erfindung des Kühlschranks beispielsweise eröffnete neue Wege der Vorratshaltung und Lagerung, was wiederum Nahrungsauswahl und Essgewohnheiten beeinflusste. Umgekehrt lösen soziale Umwälzungen einen technischen Innovationsdruck aus. Erfunden und umgesetzt wird dabei nur, was der gesellschaftliche Wandel erfordert. Die alternative Bewegung Ende der 70er Jahre veränderte mit ihrem ökologischen Anspruch nachhaltig das Bewusstsein darüber, welche Nahrung wir zu uns nehmen  und wie wir miteinander leben wollen und wurde damit zur Patin von Bioläden und Ökolabels. Auch das kommunikative Konzept der offenen Küche wurde nicht zuletzt unter dem Eindruck alternativer Prämissen erdacht. Ohne entsprechenden Bedarf jedoch gäbe es weder Bioläden noch offene Küche.

Textauszug aus:
Godau, Marion: Produktdesign. Eine Einführung mit Beispielen aus der Praxis. Birkhäuser, Basel, 2004.



Literatur (Auswahl):

W. Abelshauser, A. Faust, D. Petzina: Deutsche Sozialgeschichte 1914-1945. München 1985

Otl Aicher: Die Küche zum Kochen. Das Ende einer Architekturdoktrin. 5. Aufl. Berlin 1994

Michael Andritzky u.a.: Oikos. Von der Feuerstelle zur Mikrowelle. Gießen 1992

Bauhaus Archiv Berlin (Hg.): Experiment Bauhaus. Berlin 1988

Heinz Hirdina (Hg.): Das neue Frankfurt, die neue Stadt. Dresden 1984

Gerd Kähler (Hg.): Geschichte des Wohnens 1918-1945. Stuttgart 1996

Gert Selle: Geschichte des Design in Deutschland. Frankfurt am Main / New York 1994

Gerhard A. Ritter, Jürgen Kocka (Hg.): Deutsche Sozialgeschichte 1870-1914. 3. Aufl. München 1982

Einstelldatum: Oktober 2008