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BMW Design im Interview

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Anders Warming, Leiter Exterieur Design, BMW Automobile, gab im Interview mit Yvonne Marcuse Auskunft zur Formfindung im Automobildesign
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Wie lässt sich Dynamik konkret am BMW-Roadster benennen?
Das kann man ganz konkret in drei Kategorien sagen. Wir haben das Thema in drei Stufen aufgeteilt. Einmal war uns wichtig, die Proportion zu erkennen, das Zweite war die Flächenspannung anzugehen, das Dritte war die Details anzugehen. Durch diese Dreierteilung  haben wir es geschafft, in jedem Bereich, BMW-typische Werte so konsequent und so gezielt  wie möglich umzusetzen.
Bei den Proportionen haben wir gesagt: kurze Überhänge, langes Vorderrad zur Stirnwand, Fahrer so weit wie möglich, so tief wie möglich nach hinten im Fahrzeug, die größtmöglichen Räder und das breitest mögliche Fahrzeug. BMW als Unternehmen hat gesagt: Das ist das, was die pure Aussage von einem Roadster ist.

Bei der Formensprache haben wir festgestellt, dass BMW unheimlich viel Dynamik in die Formensprache der Längsbewegung gesetzt hat und dies zugleich als visuelle Stabilität
formuliert hat. Deswegen muss die Formensprache Dynamik ausdrücken. Und deshalb fanden wir zur neuen Formensprache nicht nur durch die Linien,  die sich dynamisch zeigen, es geht auch um die Flächen dazwischen, wie die sich dynamisch verändern – besonders die sehr verdrehten Flächen. Dazu schaue ich mir nicht nur die Lichtkanten auf einer Kante an, sondern die Querverläufe zwischen den Charakterkanten. So ergibt sich die dynamische Formensprache. Es geht nicht nur um das Grundvolumen, es geht mehr um den Lichtverlauf zwischen den Charakterlinien. 
Die Klarheit in den Details muss die Dynamik unterstützen. Beispielsweise beim Z4 haben wir  die Nierenstäben wie skulpturenhafte Flügel formuliert. Das geht bis in unsere Geschichte im  Flugmotorenbau in den zwanziger und dreißiger Jahren zurück -  dies sind Inspirationsquellen.

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Ratio und Emotionalität
Ich habe das Gefühl, dass das Thema „form follows function" überbewertet wird. Wir müssen uns wirklich auf die Logik der Zukunft konzentrieren. D.h. wir müssen, sowohl wie die Funktion wie die gesellschaftlichen Bedürfnisse, etwa den Umweltschutz berücksichtigen. Wir müssen gleichzeitig aber ein sehr emotionales Produkt darstellen. Form und Funktion sind für mich nicht hinreichend. Wenn ich da ein drittes Bein dazufügen kann, wäre es das Herz.
Wir müssen irgendwo zurück zur Leidenschaft kommen und mit dieser Leidenschaft und aus  Überzeugung dann die Lösung für die neue, positive Welt, in der wir gerne leben möchten,  anstreben. Das ist ja nicht nur „problem solving“ oder „problem answering“. Das ist auch eine Vision!

An Ideen annähern
Ich steh morgens auf, setzt mich hin und zeichne. Die ersten 25 „sketches“ kann ich
vergessen. Da bin ich noch nicht warm, ich bekomme noch keinen Gedanken auf das  Papier. In dem Moment, wo ich 25 „sketches“ erreiche, fange ich an, ins Thema einzudringen Die „sketches“ zwischen 25 und 75 kann ich auch nachher auch wegschmeißen. Erst ab dem 75. sketch fange ich an, Themen wirklich zu konkretisieren. Und dann bin ich schon sehr konkret
dreidimensional unterwegs. Ich habe Schnitte auf den Seiten, ich drehe die Winkel..., ich bin dann am Punkt, wo ich die drei Dimensionen zweidimensional ausdrücken kann.

.. und Ideen visualisieren
Von Zeichnungen, Gemälden oder Bildern oder Visualisierungen kann es nicht genug geben. Einfach Kreide, Bleistift, Dreimetergemälde, große Zeichnungen, Visualisierungen von dem, was einen selber umtreibt. Damit kann kann ich mein Umfeld beeinflussen. Es hilft nicht, dass ich ein „harddrive“ habe mit 180 Gigabite von wichtigen Informationen, wenn ich die Welt um mich herum nicht davon überzeugen kann, weil es bei mir am Rechner gespeichert ist unter „password“.

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Fotos: Andreas Warming bei der Arbeit © BMW

Einstelldatum: Februar 2009