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Artur Fischer – Erfinderwerkstatt

Fischer-Dübel, fischertechnik und fischer TiP  haben sich als die ingeniösen Erfindungen eines Bastlers in der deutschen Wirtschaftsgeschichte etabliert.
 Artur Fischer, der bald 90jährige Gründer der Fischer-Werke, gab im Gespräch mit Johannes Kirschenmann Auskunft wie er zu seinen tausenden Patenten kam und wo er Verbindungen zwischen Kunst und Technik sieht.


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Bricolage mit Elementen aus der Fischertechnik

Ich brauche Mut zur Neugier; auch wenn ich male – jedes Mal beim Malen brauche ich Mut, Mut zum Risiko. Das Risiko verbindet sich mit Disziplin. Und ich brauche Begeisterung – ohne Begeisterung geht nichts. Nur die Begeisterung hilft über die plötzliche Enttäuschung hinweg, doch einen Teilschritt verwerfen zu müssen.
Die wichtigste Frage ist die nach dem Dienen gegenüber meinem Partner: Für wen mache ich was, wem dient das, für was kann er das gebrauchen? Erst im Modell konkretisieren sich die Ideen der Erfindung, werden die Hürden sichtbar, wird die Tauglichkeit erstmals geprüft.

Die schlechteste Motivation für Kreativität beim Erfinden ist das Ziel rasch fertig zu werden, rasch Geld verdienen zu wollen. Ich habe noch nie gearbeitet, nur um Geld zu verdienen, sondern um Aufgaben zu lösen. Ich muss einen Nutzen erbringen und mich fragen: was verbessert z.B. die Arbeit des Handwerkers. Ich muss mich in ihn hineindenken, arbeiten wie er, damit ich von seinen Problemen erfahre. Er wird mir nie sagen: Das und das brauche ich so und so. In Gesprächen mit Anwendern kommen Gedanken zur Lösung; ich arbeite nicht nach einer antrainierten Art und Weise, ich erprobe, diskutiere mit anderen, verwerfe und suche weiter.

Meine Umgebung, meine angestellten Entwickler, beziehe ich ein, es wäre dumm, auf deren Vorschläge zu verzichten; sie werden in das Patent einbezogen.
Zwischen dem Erfinder und dem Künstler gibt es Gemeinsamkeiten; die Präzision der Arbeit ist bei beiden dieselbe. Beide brauchen Leidenschaft zum Erfolg! Und die Prüfung, ob die Arbeit gut ist.
Ich habe mir ein Refugium bewahrt, eine Werkstatt mit Schraubstock und Werkzeugen, wie früher. Dort hängen an der Wand auch Bilder, die ich selbst gemalt habe und die prüfe ich immer wieder und verändere sie auch.
Meine Werkstatt ist meine Spielheimat, dort bin ich alleine und dort herrscht das Fluidum: hier ist schon etwas entstanden. In dieser Werkstatt war und bin ich alleine und kann Ideen, kleinste Schritte, an der Drehbank gleich umsetzen. Und ich kann Fehler korrigieren.
Bei aller Intuition und Erfahrung muss ich den Gedanken, die Idee blitzschnell erfassen und zielstrebig verfolgen, von der ich weiß und glaube, dass sie die richtige ist: Glauben und Wissen fallen hier zusammen.

Wenn es mal hakte und nicht weiter ging, blieb ich dran. Es ist ein Unterschied, ob ich sage: es geht nicht oder ob ich sage: So geht es nicht. Im Prozess des Erfindens ist es wichtig, dass ich an einer ersten Lösung weiterarbeite, sie optimiere; ich kann nicht sagen: jetzt erfinde ich etwas. Ich muss davon ausgehen, eine gegebene Situation zu verbessern.

Ich kann den Markt nicht mit Hypothesen befragen; ich muss konkret etwas anbieten, dann bekomme ich ein Echo.

Der Stifterpreis für Erfindungen, den ich zusammen mit dem Land Baden-Württemberg ausgelobt habe, möchte "von unten anfangen". Die Schüler möchten und müssen wir gewinnen, wenn wir den Erfindergeist fördern wollen. Mit einer völlig ungezwungenen Fantasie kommen die Schüler zu hervorragenden Ergebnissen. Diese Fantasie geht nicht von Wissen oder handwerklichem Können aus. Die Sieger werden dann auch eingeladen, um im Gespräch den Fortgang der Erfindung zu besprechen; es soll ja etwas damit passieren, wir wollen ihnen zum Erfolg verhelfen.
Es ist eine Freude, diesen jungen Leuten deutlich zu machen, sie haben etwas Neues geschaffen, sie haben etwas erfunden. Die Ergebnisse vermag ich nicht hierarchisch zu bewerten: Die Kinder arbeiten mit vollem Einsatz und großem Eifer, das sind dann ganz individuelle Wege, jeder strengt sich an. Ich zerstöre Motivation, wenn ich mit Wertmaßstäben komme – Kinder sind auf ihrem speziellen Gebiet alle kreativ.
Meine Mutter hat mich stets für kindliche Erfindungen oder eben kindliche Basteleien gelobt und sie hat mich gefragt, warum ich etwas wie gelöst habe. Ermutigung ist ganz wichtig, auch absurde Vorstellungen dürfen nicht zerstört werden.

Einstelldatum: Februar 2009